Kerényi Ferenc szerk.: Színháztudományi Szemle 29. (Budapest, 1992)
IDEGEN NYELVŰ ÖSSZEFOGLALÓK
Am 11. November 1991 war der zweihundertste Jahrestag, daß József Katona (1791 1830), der Schöpfer des ungarischen Nationaldramas, Bánk Bán in Kecskemét geboren wurde. Zu diesem Jahrestag veranstaltete man in seiner Geburtsstadt eine wissenschaftliche Gedenksitzung, die von dem Präsidenten der Ungarischen Republik Árpád Göncz und dem Ministerpräsidenten József Antall brieflich begrüßt wurde. Ihre Botschaft und die zwölf Vorträge werden nun veröffentlicht. Der Vorsitzende der Gedenksitzung war Péter Nagy, Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, der die wissenschaftsgeschichtliche Rezeption des Nationaldramas heraufbeschwörte, und die den Dramatiker betreffenden Gemeinplätze in Frage stellend auch auf den Mangel der zeitgemäßen Interpretationen hinwies. LÁSZLÓ OROSZ sprach über Die Persönlichkeit von József Katona: aufgrund der Typologie von C. G. Jung qualifizierte er die Dramatikerlaufbahn schnell abbrechenden, aber in seiner Geburtsstadt erfolgreiche juristische Karriere machenden Schriftsteller als introvertierten Persönlichkeitstypus. Zur Beweisführung wurden die Erinnerungen von Zeitgenossen und seine eigenen Gedichte und Dramen herangezogen. Er führte keine literarische Korrespondenz. Seine introvertierte Persönlichkeit verhalf ihm zur Darstellung des in seiner Existenz am Scheideweg stehenden Menschen. ISTVÁN FRIED beschäftigte sich in siener Vorlesung Schauspiel , Dramaturgie, das zeitgenössische Drama und Bánk Bán mit dem Paradoxon, daß die erste Variante des Nationaldramas (1815) noch auf den unmittelbaren Erfahrungen des als Schauspieler tätigen Schriftstellers fußte — aufgrund der gegebenen theatralischen Konventionen — aber bei der endgültigen Fassung (1819) schon die literarischen Ansprüche ausschlaggebend waren. Trotzdem bewahrte der Text die Kraft und die Bühnenwirksamkeit der ersten Fassung. Das wurde mit komparativen drama- und theatergeschichtlichen Methoden bewiesen. Lajos Csetri hielt seinen Vortrag unter dem Titel Bánk Bán-Probleme in soziologischer Sicht. Er analysierte jene große Bewußtheit, mit der der Dramatiker die geschichtlichen Ereignisse des dargestellten dreizehnten Jahrhunderts ins Auge faßte. Während seiner juristischen Studien erwarb er bedeutende geschichtsphilosophische Kenntnisse, und die europäische Perspektive wurde durch jene antirevolutionäre, nach 1815 immer mehr betonte, auf Erfahrungen der Revolutionen und der Napoleonischen Kriege beruhende Auffassung gesichert. ANTAL WEBER sprach über Die Beziehungen von J ózsef Katona und der gothischen Literatur, obwohl er den Begriff nicht im Sinne von Horac Walpole und seiner Schule gebrauchte, sondern als subjektiv gefärbtes, starkes Geschichtserlebnis. TAMÁS BÉCSY untersuchte von neuem den meist bestrittenen fünften Akt, und als Titel wählte er ein Zitat: Bánk "stand erstarrt wie eine Säule". Nach seiner dramatheoretischen Analyse ist aus dem Konfliktdrama der I-IV Akte im fünften ein Mittelpunktsdrama-Modell geworden, wo es zwei Zentren gibt: den König und den Titeldarsteller. Grund zu den Auseinandersetzungen war jene Gattungsverschiebung, die für die Literaturhistoriker, die mit der romantischen Interpretation des Konfliktdramas arbeiteten, unlösbar blieb. ZOLTÁN ROHONYI hat die Dramaauffassung von Katona aufgrund der Instruktionen des Bánk Bán dargelegt. Ein wichtiges Element dieser Auffassung gemäß ist Folgendes: die Bedeutung des