Búzás Gergely: Pest megye 1. Visegrád, királyi palota 1. A kápolna és az északkeleti palota (Magyarország építészeti töredékeinek gyűjteménye 2. Budapest, 1990)

Gergely Buzás: Die Kapelle und das Nordöstliche Palastgebäude des Königsschlosses in Visegrád

88. Was einen Teil der in den Mauern der zweiten Periode sekundär, als Werksteine angewendeten Steinmetz­arbeiten - so der in die Mauer des Eingangskorridors im Südflügel gebrauchten Pfeilertambouren und Sitznischenpfeiler - betrifft, ist es eindeutig nachzuweisen, dass in derselben Periode angefertigt waren, sie wurden aber nicht der ursprünglichen Funktion gemäss verwendet. Bei anderen Steindenkmälern, die aus dem Strebepfeiler III. der Westfassade zutage kamen, ist es mit Recht zu vermuten, dass sie nicht in die erste Periode hingehören: das sind solche grossen Fensterteile mit Masswerk, sowie profilierten Pfei­lertambouren, die aufgrund ihrer Grösse, ihres Stils und der unter der Ruine der Palastkapelle gefunde­nen, ihnen ähnlichen Bruchstücke aller Wahrscheinlichkeit nach der Kapelle angehörten. 89. Das verfälschte Exemplar eines slawonischen Denars aus dem 13. Jahrhundert (Bestimmung von Lajos Huszár) kam aus dem Mörtel des den Keller ,,in der Mitte überspannenden Gurtbogens" - eigentlich des Stumfes der Scheidewand des in der ersten Periode hier vorfindlichen Gebäudes - zutage: Inv.-Nr. 68.101.10. 90. Aus der Freilegung des „Badehofes" im Jahre 1955 wissen wir, dass der südliche Drittel der Mauer - bis an den Pfeiler der Brücke, die auf den Löwenhof führt - auf einer breiten, aus Felsen gehauenen Treppe steht, während nördlich davon die Mauer auf den unbearbeiteten Felsen gebaut worden war, nach dem Aufbau wurde sekundär um die Mitte des Hofes ein Graben aus dem Felsen gehauen. Bei dem oben er­wähnten Brückenpfeiler ändert sich auch die Textur der Mauer: südlich davon ist noch die normale äusse­re Mauerfläche vorhanden, nördlich schon nicht mehr, die oberen Mauerteile sind in solchem Masse zu­grundegegangen, beziehungweise restauriert, dass schon keine Beobachtungen möglich sind. Auf den zwei Mauerstrecken unterscheiden sich auch die Baustoffe; während der nördliche Teil aus reinem, an Ort und Stelle gebrochenem, lila-rosigem Bruchstein gebaut ist, vermischt sich dieser Stoff an dem südli­chen Mauerschluss mit Ziegel und gründlichem Andesittuff, woraus folgern lässt, dass hier das Abbruch­material eines früheren Gebäudes - das vermutlich an Stelle des südlichen grossen Kellers gestanden hat­te - gebraucht wurde. Der Mörtel des Mauerwerkes ist an beiden Mauerstrecken gleich, entspricht zugleich dem in der zweiten Periode bei anderen Mauerwerken gebrauchten Mörtel . 91. Dass der Ostflügel in der zweiten Periode gebaut wurde, beweist der Anschluss der unter dem Fussboden des Flügels von Miklós Héjj freigelegten, Nord-Süd gerichteten Mauer an die nördliche äussere Fassa­denmauer, die den Block der zweiten Periode einheitlich abschliesst. Dem 1957 aufgenommenen Ausgra­bungsgrundriss nach legt sich die Nord-Süd gerichtete Mauer auf den inneren Fundamentsockel der nördlichen Fassadenmauer. Das dokumentiert leider kein Foto, keine Beschreibung mehr. Diese Mauer der zweiten Periode, in die auch die Ost-West gerichteten Scheidewände eingebunden sind, wurde übri­gens durch die Scheidewände des Flügels aus der dritten Periode überall durchbrochen. Die freigelegte Nord-Süd gerichtete Mauer kann mit ihrer bloss 70 cm Breite kaum eine Fassadenmauer gewesen sein. Der untere Teil der Nord-Süd gerichteten Mauer reicht in den Vorraum des sich vom Prunkhof öffnenden und unter dem Ostflügel ausbreitenden kleinen Kellers hinein, beziehungsweise ein robuster Arkadenbo­gen sichert hier über dem Eingang den Durchgang. Dieser Arkadenbogen war aber nie mit einer Tür ver­schlossen, er besitzt bloss statische Funktion: die echte Tür des kleinen Kellers öffnete schon ursprüng­lich in der Mauer mit Sitznischen im Prunkhof. 92. Die Linie der Stützmauer der Kapellenterrasse stimmt mit dieser Mauer überein, ihre Verbindung ist aber heutzutage wegen der von Schulek gebauten, auf die Kapellenterrasse hinaufführenden Treppe uner­forschbar. 93. In der Lietratur taucht mehrmals auf, dass diese Konsole vielleicht einem an dem Obergeschoss des Prunkhofes herumlaufenden Aussengang angehörte. [Dercsényi 1951. 47.; MMT 5. 1958. 418.; Marosi, Ernő: Gótika (Gotik). In: A művészet története Magyarországon (Die Geschichte der Kunst in Ungarn). Hrsg.: Aradi, Nóra. Budapest 1983. 74.] Die erhaltengebliebene Konsole, wie es an den veröffendichten Fotos zu sehen ist (Dercsényi 1951. Abb. 28-29), stimmt in Form und Grösse mit der im ösüichen Raum des Nordflügels in situ erhalten gebliebenen, ursprünglich eine Balkendecke tragenden Konsole überein, die Niveauhöhen Beider Konsolen gleichen auch. Die im Palast zum Vorschein gekommenen, tatsächlich einen Gang oder Erker tragenden, zeitgenössischen Konsolen sind von völlig abweichender Struktur und viel schmaler, als diese. 94. Im Laufe der Untersuchung des Treppenhauses von 1954 bis 1955 wurde die Fortsetzung der in den ande­ren, nördlicheren Räumen des Ostflügels später freigelegten, Nord-Süd gerichteten Scheidemauer gefun­den. Hierher war von Westen her eine ungefähr 50 cm breite Mauer mit gemischtem Mauerwerk einge­bunden. Die westliche Fläche der Nord-Süd-Mauer zeugte südlich von hier von nachträglicher Ausbesserung. Diese Erscheinungen hängen aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Stützmauer zusam­men, die in der Neuzeit um den grossen Keller gebaut war: die nördliche Stützmauer kann genau an der

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