Búzás Gergely: Pest megye 1. Visegrád, királyi palota 1. A kápolna és az északkeleti palota (Magyarország építészeti töredékeinek gyűjteménye 2. Budapest, 1990)

Gergely Buzás: Die Kapelle und das Nordöstliche Palastgebäude des Königsschlosses in Visegrád

VI. VERFALL DES PALASTES Der Visegráder Palast wurde auch nach dem Tod von König Matthias (1458-1490) nicht verlassen: Wla­dislaus II. (1490-1516) liess um 1510 das nahegelegene Franziskanerkloster erneuern, 221 das hängt offensicht­lich mit dem weiteren Gebrauch des Palastes zusammen. Am 1 September 1523 erliess Ludwig II (1516-1526) in seinem Visegráder „curia" eine Urkunde. 222 König János Szapolyai (1526-1540) hielt noch 1539 seinen Hof hier. 223 Unmittelbar davor kam es zur Instandesetzung des Palastes, einige Teile wie die Dächer, die Fussböden der Räume wurden repariert, die Höfe in Ordnung gebracht. 224 Die Gebäude erlitten die ersten Schaden als Leonard Fels 1540 die Unterburg belagerte. 223 Zu dieser Zeit kann man das zusammengebrochene Becken des Herkules-Brunnens in einen Raum gebracht haben, wo János Schulek viele Jahre später auf ihn stoss (Abb. 31): Zur Ausbesserung blieb es nähmlich keine Zeit mehr, weil die Türken 1544 Visegrád besetzten. 226 Nach dieser Zeit wurde der Palast dem Verfall preisgegeben ­nach dem Abbrand des Dachwerkes fielen die Öffnungsrahmen aus, stürzten die Mauern ab. Von absichtlicher Zerstörung sind kaum Spuren, die Türken zerschlugen nicht mehr als nur das Tabernakel und verstümmelten die Skulpturen der Kapelle. Von der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an sahen die Reisenden nur noch Ruinen an Stelle des Palastes. 227 Diese Ruinen standen um 1737 herum noch hoch, 228 waren sogar 1755 er­kennbar. 229 Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts gründete die Hofkammer - der Besitzer - an die Stelle der während der Türkenzeit verödeten mittelalterlichen Stadt ein Dorf. Da begann man die Ruinen abzutragen, obwohl die Mauern des Palastes noch 1817 sichtbar waren. 230 Selbst das Gut zerstörte die nördlichen Palastteile 231 : das Gebiet wurde reguliert, der nördliche Teil des Empfanghofes aufgeschüttet. Zu dieser Zeit muss man die vermutlich noch stehenden Erdgeschossmauern des Laubenganges abgerissen haben, aus die­sem Grunde gibt es heute so auffallend wenig Steinmetzarbeiten aus dem Fensterrahmen. Die Ruinen des westlichen Flügels des Nordostpalastes wurde auch weggeschleppt, an die Stelle wurden Wirtschaftshäuser aufgeführt. Die anderen Palastteile hatten ein noch schwierigeres Schicksal. Im Laufe der 18-19. Jahrhunderte wurden die Ruinen als Steinbruch gebraucht. In erster Linie suchte man nach Werksteinen, die nicht nur auf den Bauten innerhalb des Dorfes angewendet, sondern an der Donau mit Barken auch weithin wegbefördert wurden. Aus solcher Ladung kann der Renaissance-Kragstein mit dem Matthias-Wappen von der Kapelle bei Kisoroszi in die Donau geraten sein. 232 Man stiess auf ein Renaissance-Säulenkapitell, das mit denen in Vi­segrád vollkommen - auch den Stoff betreffend - übereinstimmt, in der Szentháromság Strasse 7 in Buda, es kann in der Neuzeit aus Visegrád hierher geraten sein. 233 Die „Visegráder Madonna" ist wahrscheinlich die einzige Steinskulptur - wenn sie wirklich von Visegrád stammt -, die den neuzeitlichen Untergang der Pala­struinen, wenn auch von der ursprünglichen Stelle entfernt, als Kustgegenstand überlebte. 234 VII. ZUSAMMENFASSUNG Die oben ausführlich behandelte zweite und dritte Periode des Palastes in Visegrád verschafft uns von den zwei bedeutsamen Epochen der ungarischen mittelalterlichen Architekturgeschichte eine Vorstellung. Beide Perioden brachten Stilwechsel, das Ende des 14. Jahrhunderts die Entstehung der Spätgotik, die 1480-er Jahre die letzte und fruchtbarste Epoche der Spätgotik, sowie parallel damit den Beginn der Renaissance mit sich. Die Visegráder Steinmetzen vom Ende des 14. Jahrhunderts waren anscheinend zu ihrer Zeit moderner und ihre Kunst fand ein grösseres Widerhall, als es hundert Jahre später der Fall war. Es ist vermuüich der sich inzwischen viel kleiner gewordene Bedeutung des Visegráder Palastes anzurechnen. Er wurde zu Ende des 14. Jahrhunderts als die wichtigste königliche Residenz gebaut, ein Jahrhundert später wurde er aber nur noch als ein Sommerschloss neugebaut. Dieser relative Niedergang erfolgte aber parallel mit einem risiegem absoluten qualitativen Zuwachs. Der Zuwachs der Representations- und Bequemlichkeitsansprüche, der in diesem Jahrhundert des Mittelalters abspielte, war eine der tiefdringendsten Änderunden in der Geschichte von Europa. Der Zuwachs der Ansprüche brachte eine Qualitätsverbesserung mit sich. Die Steinmetzkunst begann in Ungarn nach dem Verfall um 1300 erst in dem letzten Drittel des 14. Jahrhunderts tatsächlich wieder aufzuleben, und in dieser Entwicklung bekam Visegrád vielleicht die wichtigste Rolle. Hundert Jahre später stand die heimische Steinmetzkunst in Ungarn in voller Blüte, ihre Produkte galten als ganz gewöhnlich sogar in den kleinsten Marktflecken des Landes. Das Visegráder Denkmalmaterial dieser Epoche hat für uns wahr­scheinlich mehr Bedeutung, als es in seiner eigenen Zeit gehabt hatte, und nicht nur dank seiner Qualität -

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