Búzás Gergely: Pest megye 1. Visegrád, királyi palota 1. A kápolna és az északkeleti palota (Magyarország építészeti töredékeinek gyűjteménye 2. Budapest, 1990)

Gergely Buzás: Die Kapelle und das Nordöstliche Palastgebäude des Königsschlosses in Visegrád

dass Profile von solchem graphischen Typ in den Nebengebäuden des Sigismund-zeitlichen, südlichen gros­sen Saal auch in situ zum Vorschein kamen. 142 Beachtenswerte Eigenart des repräsentativsten Stückes der Budaer Gruppe von „graphischem Stil" des dreigeteilten Fensters mit abgestuften Sturz und mit Wappen­schmuck ist, dass die Gewändeabkragung am Fenstersturz - im Gegensatz zu den Pfostensteinen - mit einer Hohlkehle bereichert wurde. 143 (Abb. 108) Dieses seltsame Merkmal ist auch an dem schon oben erwähnten, grossen Fensterrahmen des Sigismund-Palastes festzustellen. 144 (Abb. 106) Es ist ferner erwähnenswert, dass diese eigenartige Fensterform mit abgestuften Sturz auch an dem Buda darstellenden Stich der Schedels Weltchronik, und zwar eben im Geschoss des südlichen grossen Saales erscheint. 145 (Abb. 107) Meines Er­achtens kann diese ziemlich zahlreiche und nicht nur aus graphischem Stil bestehende, mit Visegrád Ver­wandtschaft aufweisende Gruppe von Steinmetzarbeiten in Buda nicht mit den anjouzeitlichen, sondern ohne Zweifel mit den wesentlich grösseren Sigismund-zeitlichen Bauten verbunden werden. Dem von dieser Bu­daer Gruppe und Visegrád bestimmten Kreis gehört auch die Tataer Burg eng an. Ausser der erwähnten Öffnungsrahmen-Analogien deutet hier darauf die Arkadenreihe im Obergeschoss des Innenhofes hin (Abb. 100), die die nächste Parallele der Arkadenreihe des Visegráder Prunkhofes ist. In Tata läuft ein Gang in allen vier Seiten des Erdgeschosses herum, im Obergeschoss stand aber eine Arkadenreihe ursprünglich nur vor der südwestlichen Fassade. 146 Ihre einfachen, achteckigen Pfeiler, beziehungsweise die sich aus ihnen entfalten­den Bögen sind mit der Erdgeschossarkade des Visegráder Prunkhofes praktisch gleich. Tata nimmt sowohl chronologisch, als auch hinsichüich des Stils zwischen Visegrád und Buda einen Zwi­schenplazt ein. Die Zusammenhänge der drei Denkmäler ermöglichen, die Geschichte einer um 1400 wirken­den „königlichen Bauwerkstatt" zu skizzieren. Ein Teil der in dem lezten Viertel des 14. Jahrhunderts an dem Bau des Visegráder Palastes arbeitenden Steinmetzen nahm zu Ende des Jahrhunderts und in dem ersten Jahr­zehnt des 15. Jahrhunderts mit anderen Meistern am Bau der Burg von Tata teil. Nach der Beendigung der Ta­taer Arbeiten kamen diese Steinmetzen in dem zweiten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts nach Buda hinüber. Hier nahm aber König Sigismund (1387-1437) deinen dermassen riesigen Bau in Angriff, der mit den Bauten in Tata überhaupt nicht, aber nicht einmal mit denen in Visegrád zu vergleichen ist. Das alles erforderte den wesentlichen Zuwuchs der Werkstatt. Die neuen Steinmetzen, die offensichtlich auch die Leitung der Werk­statt übernahmen, verfügten in erster Linie über süddeutsche Beziehungen. 147 Die derart umgestaltete könig­liche Werkstatt kam später nach Bratislava (Pressburg, ungarisch Pozsony, heute in der Tschechoslowakei) hin­über, wo sie zu Ende der 1420-er Jahre und in den 1430-er Jahren unter die Leitung ausgesprochen schwäbischer, sich an Ulm anknüpfender Meister geriet. 148 Aus dieser Periode blieb die Abrechnung erhal­ten, die uns die Werkstatt zum ersten Mal anfassbar macht. 149 Jenő Szücs, der Veröffentlicher dieser Abrech­nung macht uns darauf aufmerksam, dass diese königliche Bauwerkstatt von gleicher Struktur war, wie die grossen europäischen Bauhütten. Während aber eine Kirchenbauhütte Jahrzehnte oder Jahrhunderte lang zu einem einzigen Gebäude verbunden war, erforderte der Aufbau einer Burg oder eines Palastes eine viel schnellere Arbeit. König Sigismund liess aber während seiner ganzen Regierung (1387-1437), wenn auch an verschiedenen Orten, ständig bauen. Infolge dessen ist es logisch anzunehmen, dass eine königliche Werkstatt existierte, die zwar eine, den Bauhütten ähnliche Struktur besass, die sich aber nicht an Ort, sondern an den Auftraggeber knüpfte, und dieser Auftraggeber liess an verschiedenen Baustellen arbeiten. Natürlich konnte diese, wie auch jede Bauhütte, keine ständige Zusammensetzung und Leitung haben. Sie hatte ständige Umge­staltung zu überstehen. Deswegen trifft man im Stil bedeutende Änderungen an, während zwischen den ein­zelnen Gebäuden, beziehungsweise den einzelnen Epochen der Werkstatt, auch eine Kontinuität festzustellen ist. Eine andere Frage ist die Ausstrahlung des Steinmetzstils des Visegráder Palastes: auf den bedeutenden Burgarbeiten der Aristokratie der Sigismund-Zeit und auf den sonstigen Bauarbeiten, die in die erste Hälfte, in die Mitte des 15. Jahrhunderts datiert werden, oft treten in Visegrád entstandene Bauformen auf. Die am meisten charakteristische Lösung der Profilabschluss der Visegráder Öffnungsrahmen und Sitznischen ist die in der Tiefe auf zwei Stufen gegliederte Sockelausstattung. Ihre Analogien trifft man zum Beispiel in Buda 150 (Abb. 113-114), an den einfachen Kreuzstockfenstern mit graphischem profil in der Abtei von Hronsky Befta­dik (ungarisch Garamszentbenedek, heute in der Tschechoslowakei) aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts 151 (Abb. 115-116), sowie an den mit den letzteren vollkommen übereinstimmenden Kreuzstock­fenster der Burg von Kisnána aus der Sigismund-Zeit 152 (Abb. 117-118) an. Das vielleicht späteste Beipiel die­ser Profilabschlussform blieb an den Kreuzstockfenstern von graphischem Profil in dem unteren Rittersaal von Hunadeora (Eisenmarkt, ungarisch Vajdahunyad, heute in Rumänien), aus dem Jahre 1452 erhalten. 153 Aus Visegrád ist auch der einfache, mit Rudstabglied verzierte Fensterrahmentyp (Abb. 168, 224/a, 320) bekannt, dessen Paralelle die auf die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts datierten Kreuzstockfenster der Burg von Gyula sind. 154 (Abb. 119-120) In dem Visegráder Palast ist der Sturz eines geteilten Fensters von abgekantetem Pro­fil mit abgerundeten Ecken einmalig. (Abb. 176) Ähnliche Rahmen blieben aber in dem von 1457 bis 1459 er­bauten Wohnturm der Bischofsburg in Bac (ungarisch Bács, heute in Jugoslawien) erhalten. 155 (Abb. 121-123)

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