Judit Tamás: Verwandte typen im schweizerischen und Ungarischen kachelfundmaterial in der zweiten hälfte des 15. jahrhunderts (Művészettörténet - műemlékvédelem 8. Országos Műemlékvédelmi Hivatal,1995)

Übersicht - II. Medaillonkacheln - r. Heiliger Georg - s. Reiter mir Säbel(?)

die ösdiche vielleicht im Allgäu. 269 Der typologische Stammbaum der Turnierrei­ter aber scheint noch weiter verzweigt zu sein; seinen am weitesten reichenden Zweig repräsentieren die Kacheln von Nagyvázsony. Diese beiden Turnierreiter auf nach rechts galoppierendem Pferd darstellen­den Tellerkacheln (Abb. 158) demonstrieren, welch große Entfernungen die Motivenwanderung im spätmittelalterlichen Kachelgewerbe überwunden hat. Sie kamen in Gesellschaft der schon früher vorgestellten Pelikankacheln sowie von Münzen aus den Jahren 1489/91-1535 im Paulinerkloster von Nagyvázsony, in einem Abfallhaufen neben der Küche ans Tageslicht. Ihre formalen, technologi­schen und strukturellen Merkmale wie auch ihre bescheidene Ausführung sind mit denen der erwähnten Pelikankacheln im wesentlichen identisch; sie wurden gleichzeitig geformt und waren im gleichen Ofen eingebaut. Vergleicht man sie mit den schweizerischen Turnierreitern, sucht sofort ein wichtiger Unterschied ins Auge: ihr Hintergrund ist mit winzigen „Warzen" be­streut, sozusagen punziert. Obwohl sie nahe Verwandte der schweizerischen Vari­anten A und B sind, stammen sie nicht unmittelbar von diesen ab. Das schließen erstens die unproportionale Brennschwindung - durchschnittlich beträgt sie im Vergleich zur schweizerischen Variante A zwar 26,2%, zu B 17,6%, die einzelnen Daten differieren aber zwischen 0 und 50% -, zweitens die erwähnte Verzierung des Hintergrundes aus, die auf den schweizerischen Kacheln überhaupt nicht vorhanden ist. Sowohl das diesbezügliche schweizerische als auch das ungarische Fundmaterial ist u.E. von einem gemeinsamen Urmodell abzuleiten, die Bezie­hung zwischen ihnen dürfte also indirekt gewesen sein. Das schließt zugleich die Annahme ein, daß in Ungarn in der betreffenden Epoche - den Pelikankacheln ähnlich 270 - eine Kachel gleichen Typs, aber von anspruchsvollerer Ausstattung oder aber ein Kachelmodell im Gebrauch war, die/das als verbindendes Ketten­glied diente, nach der/dem der Model der Exemplare von Nagyvázsony ge­schnitzt werden konnte. Bedauerlich, daß dieses Verbindungselement der For­schung zur Zeit noch nicht zur Verfügung steht. r. Heiliger Creorg Diese beliebte Heidenfigur der mittelalterlichen Ikonographie ist zwar auch im gotischen Kachelfundmaterial Ungarns weit verbreitet, kommt aber nie in einem Medaillon untergebracht vor. In der Schweiz kennt man diese Georgska­cheln lediglich aus Zürich, vom Lindenhof (Abb. 160). Ihre Anzahl ist gering, alle sind mit derselben Preßform erzeugt worden. Ihre Komposition erinnert an die Variante D der nach rechts reitenden Turnierreiter. Außerdem sind viele Elemente dieser Darstellung (Ritter, Pferd) im allgemeinen mit den Turnierrei­tern identisch; sie dürften zumindest teilweise von der gleichen Werkstatt her­vorgebracht worden sein, die im Ort, in Zürich gearbeitet hat. s. Reiter mit Säbel (?) Die Komposition auch dieses Typs (Abb. 161) weist eine auffallende Ähnlichkeit mit Variante D der nach rechts haltenden Ritter und so auch mit den Georgska­cheln auf, ja sogar die Größe des Pferdes stimmt gänzlich mit dem Roß des Hei­ligen Georg überein. Es dürfte also kein Zufall sein, daß sie an derselben Fund­stelle zum Vorschein gelangten; vermutlich stammen sie aus der gleichen Werk­statt. Auf ihre Parallelen stießen wir weder im schweizerischen bzw. deutschen, noch im ungarischen Kachelmaterial.

Next

/
Thumbnails
Contents