Pamer Nóra szerk.: Gerő László nyolcvanötödik születésnapjára (Művészettörténet - műemlékvédelem 6. Országos Műemlékvédelmi Hivatal, 1994)

Tomáš Durdík: Batterietürme der böhmischen Burgen

eckigen Schießscharten in entlüfteten Zellen. Eine interessante Neuigkeit reprä­sentierte auch ein kleiner Erker, der zum Herausschieben eines Balkens mit Fla­schenzug diente, mit dessen Hilfe vor allem schwere Geschütze heraufgezogen wurden. Der erwähnte Umbau kann in die 30er Jahre des 15Jahrhunderts datiert werden. Der Batterieturm der Burg Tábor blieb im Rahmen der Burgenarchitektur der Hussitenzeit vereinsamt. Bei dem heutigen Stand der Kenntnisse, die der Tatsa­che entsprechen, daß die Entwicklung der böhmischen Burgenarchitektur und vor allem ihrer Fortifikationen aus dem 15. Jahrhundert vollkommen ungenü­gend durchforscht ist, müssen wir annehmen, daß auch in der Zeit Georgs von Podebrad kein weiterer Batterieturm entstanden ist. Die einzige Ausnahme könnte der neue Turm in der Ecke der äußeren Befestigung der Burg Zebrak sein (Durdik 1993b), dessen Klassifikation jedoch auch nicht problemlos ist. Wenn es sich um einen Turm handelte, der in den Kontext der Batterietürme eingereiht werden kann, dann wäre seine Ausrüstung in der einzigen Ebene, die für die Artillerie genützt werden konnte, bedeutend reduziert gewesen. Die Kriegszüge Georgs von Podebrad brachten jedoch zweifellos eine mächtige Anre­gung für die weitere fieberhafte Entfaltung der Fortifikationen, deren Bestand­teil auch die verschiedenen Formen der Batterietürme wurden. Die schmerzhaften Erfahrungen nach den Burgbelagerungen in den Podebra­dischen Kriegen hatten die Entstehung eines neuen Fortifikantionsgliedes zur Folge — die vorgeschobenen artileristischen Basteien. Diese selbständigen Objekte blockierten oder beherrschten mit dem Feuer die gefährlichen Anhöhen in der Umgebung älterer Burgen, die bei einer Belagerung durch die Artillerie für diese Burgen von tödlicher Gefahr sein konnten. Mit ihrer großen Konzentration der Feuerkraft boten sich die Batterietürme für diesen Zweck ge­radezu an. Tatsächlich kamen sie auch in dem bekannten und anspruchvollsten Fall, in der oberen vorgeschobenen Bastei der Burg Cesky Sternberk aus der Zeit nach 1479 (Abb. 2- Durdik 1981) zur Geltung. Der zentrale Batterieturm hatte einen langgezogenen polygonalen Umriß mit einer gegen die Achse der Fand­zunge gerichteten Schniede und einer eingebauten Schneckentreppe, die die einzelnen Geschoße auf der rückwärtigen Seite werband. Das hohe Erdgeschoß enthielt nur einen runden Lagerraum, der durch eine Öffnung in der Kuppel zugänglich war. Für die schweren Geschütze war das erste Obergeschoß mit den gewölbten Artilleriezellen bestimmt, von denen sich zwei mit Schießscharten nach außen öffneten. Eine der Zellen öffnete sich nach außen mit einer portal­förmigen Öffnung, durch die eine Konstruktion mit dem Flaschenzug für das Heraufziehen der Geschütze herausgeschoben werden konnte. Zweifellos hatte der Turm noch eine Etage oder Halbetage zur Verteidigung, offensichtlich aus Fachwerk aufgebaut und mit höchster Wahrscheinlichkeit für Schützen mit leich­teren Feuerwaffen vorbehalten. In derselben Zeit wurden die Batterietürme, die bereits ein System bildeten, zu den wichtigsten Objekten der Verteidigung bei den neuen Burgbauten. Die älteste von diesen ist die bisher vernachlässigte und vollkommen unterschätzte Burg Hartenstejn (Durdik 1984; 1990), die nach dem Jahre 1473 entstand. Die Gestaltung der Burg (Abb. 3) entspricht der Tatsache, daß es sich vor allen um einen militärischen Stützpunkt handelte. Die etwa viereckige Anlage sicherten drei Batterietürme in den Seitenmitten, während die Verteidigung der letzten Zutrittsseite auf der mächtigen polygonalen Bastei lag. Die Batterietürme auf Hartenstejn hatten einen länglichen halbrunden, resp. hufeisenförmigen Grundriß und mit ihren geraden Seiten kehrten sie sich dem Hofe zu. Von der

Next

/
Thumbnails
Contents