Pamer Nóra szerk.: Gerő László nyolcvanötödik születésnapjára (Művészettörténet - műemlékvédelem 6. Országos Műemlékvédelmi Hivatal, 1994)

Tomáš Durdík: Batterietürme der böhmischen Burgen

Batterieturme der böhmischen Burgen TOMAS DURDIK Einen prinzipiellen Umbruch in der Entwicklung der Burgenarchitektur brachte das durch die hussitischen Kriege und Kämpfe des Königs Georg von Podebrad dramatisch beschleunigte Erschei­nen der Feuerwaffen. Die verheerenden Auswirkungen der belagernden Artille­rie verursachten buchstäblich einen Schock und nötigten zum Suchen nach einer wirksamen Verteidigung, umsomehr, da sie einer ziemlich ruhigen Epoche der Luxemburger folgten, in der die Aufmerksamkeit der Bauherren sich eher auf die Entfaltung der Wohnkomponente in den Burgen richtete (Durdik in Druck a). Die ganze Entwicklung der böhmischen Burgenarchitektur verlief im wesentlichen Teil des 15. Jahrhunderts im Zeichen dieser Bemühungen (z.B. Durdik 1992; in Druck b) und zwang die Burgherren zum Bau immer kostspieli­gerer Fortifikationen, die zur Zeit ihrer Beendigung meistens schon überholt waren. Dank diesen Bestrebungen gelangte Böhmen in den Vordergrund der eu­ropäischen Fortiftkationsentwicklung. Bald hatte es sich erwiesen, daß die wirk­samste Lösung der aktiven Verteidigung durch die Artillerie herbeizuführen ist. Diese konnte mittels verschiedener Elemente der Fortifikation realisiert werden, die sowohl das Feuern von den Flanken als auch das Kreuzfeuer ermöglichten. Zu diesen Elementen gehören auch die Batterietürme. Von den Basteien und den anliegenden Objekten unterscheiden sie sich durch die größere Höhe und auch die größere betriebliche Selbständigkeit. Sie können demnach auch ein selbständig verteidigtes Objekt darstellen. Im Prinzip handelt es sich um eine Funktionsanalogie mit den frühgotischen Flankiertürmen der importierten fran­zösischen Kastellen (Durdik 1993a), die bereits im 1 3. Jahrhundert in Böhmen bekannt waren. Zwischen beiden Turmtypen existiert jedoch keine Verbindung. Der Typus des Batterieturmes entwickelte sich bereits während der Hussiten­kriege (Zur Burgenarchitektur der Hussitenzeit: Durdik 1991). Als Batterietürme könnte man die bereits bekannten polygonalen herausragenden Artillerietürme im Umkreis des Zwingers der Stadt Tábor bezeichnen (z.B. Menclová 1953), deren typologische Klassifikation nicht problemlos ist und noch weitere Untersu­chungen beanspruchen wird. In diesem Fall ging es um eine Stadtbefestigung, die jedoch für die weitere Fortifikationsentwicklung eine entscheidende Bedeu­tung hatte. Auch den ältesten, eindeutigen Batterieturm finden wir in Tábor (Muk 1982). Er entstand durch den radikalen Umbau eines Eckturmes der älteren Burg aus dem 13. Jahrhundert, die wahrscheinlich mit dem französischen Kastellschema zusammenhing (Durdik 1993a). Vom ursprünglich frühgotischen Turm wurden nur die drei unteren Geschosse benützt und der ganze obere Teil wurde neu aufgebaut. Den Turm (Abb.l) bildeten vier Artillerieetagen mit vier-

Next

/
Thumbnails
Contents