Magyar Műemlékvédelem (Országos Műemléki Felügyelőség Kiadványai 14. Budapest, 2007)

ÉPÜLETEK HOMLOKZATI FELÜLETKÉPZÉSÉNEK ÉS SZÍNESSÉGÉNEK TÖRTÉNETISÉGE. KONFERENCIA (BUDAPEST, 2005. NOVEMBER 17-18.) - MANFRED KOLLER: Tagungsbericht 2005. Historische Fassadengestaltung und Fassadenfarbigkeit, Budapest, 17.-18. november 2005

TAGUNGSBERICHT 2005. HISTORISCHE FASSADENGESTALTUNG UND FASSADENFARBIGKEIT, BUDAPEST, 17.-18. NOVEMBER 2005 MANFRED KOLLER Das ungarische Denkmalamt wurde vor 10 Jahren als „Staatsamt für das Kulturerbe" (KÖH) neu organisiert. Die früher umfangreiche eigene Planungsabteilung hat man reduziert und dafür die wissenschaftliche Denkmalfor­schung und -praxis verstärkt. Das staatliche Restaurie­rungszentrum (ÁMRK) mit einem naturwissenschaftlichen Labor dient als Bindeglied zur praktischen Denkmalpfle­ge. Diese kämpft in der Baudenkmalpflege derzeit oft mit Windmühlen, da in der liberalisierten Wirtschaft finanzkräf­tige Investoren den Ton angeben und vor allem der große Zeitdruck der Bauvorhaben für Bauforschung und denk­malgerechte Projektentwicklung nur geringen Spielraum lässt. Auch wird der ungarische Revitalisierungs-Markt im letzten Jahrzehnt mit „westlichen" Industrieprodukten überschwemmt und fehlt es an einer systematischen Da­tenerfassung der positiven bzw. negativen Erfahrungen damit. In dieser Lage hat Alice D. Mezey vom KÖH erstmals in Budapest eine auf methodischen Überblick ausge­richtete Konferenz von Kunsthistorikern, Restauratoren, Architekten und Naturwissenschaftlern organisiert, an der sich neben den Fachleuten des Denkmalamtes auch solche der Budapester Universitäten beteiligt haben. Aus­ländische Referenten kamen aus London und Wien. Die Tagung fand im historistischen Bau des Kulturzentrums auf dem Budaer Burgberg statt, gegenüber der Mathias­kirche, für die derzeit ein umfassendes Restaurierprojekt ausgearbeitet wird. Rund 100 Teilnehmer folgten den 16 Fachvorträgen, deren erster Teil als breiter Überblick an­gelegt war, während der zweite Tag den Schwerpunkt auf die Architektur im Ungarn des 19. und 20. Jahrhunderts im Vergleich mit der Entwicklung in Europa legte. Einleitend forderte István Bóna (Restaurierklasse der Budapester Kunstuniversität) eine EU-weite Stärkung der Berufsstellung der Restauratoren, wie sie der europäische Restauratoreverband ECCO und andere fordern. Denn in Ungarn wird nach der Wende von 1989 die Baudenkmal­pflege von den großen Unternehmen der Bauindustrie zum Nachteil methodisch-kritischer Vorgangsweisen do­miniert, gegenüber denen Restauratoren oft auf verlore­nem Posten stehen. Der Archäologe László Borhy gab da­nach einen vielseitigen Überblick zur Fassadengestaltung der antik-römischen Privathäuser in Pompeij, die bereits Dekorations- mit Werbezwecken verbunden haben. Varia­tionen geometrischer Dekorformen reichten vom Mittel­meerraum bis in die nördlichen Grenzprovinzen Noricum und Pannonién. Der Kunsthistoriker Béla Zsolt Szakács setzte mitder Architekturfarbigkeit in der Romanikfort und bedauerte das frühere Desinteresse der Bauforschung in dieser Hinsicht. Die jeweilige Materialverwendung (Stein­Ziegel) ist immer auf zusätzliche Mono- oder Polychromie zu untersuchen. Europaweite Beispiele zeigen häufig ho­rizontale Bänderungen, die man von der Architektur des Islam übernommen hat (Kreuzzüge !). Dazu treten funk­tionelle Farbakzente (Portale, Gliederungen), wie bei den Kirchen von Ják (Südportal: graue Umrahmung, gelb-rot­ocker Farbwechsel der Leibung) und Csempeszkopács in Westungarn. Der Archäologe Gergely Búzás (Burgmu­seum Visegrád) zeigte die Quadermalerei des 14. und 15. Jahrhunderts mit farbiger Absetzung von Eckguadern und Gesimsen bis zur gemalten Materialveredelung zur optischen Betonung der Gliederungssysteme. Dazu lässt sich häufig Kongruenz von Aussen- und Innengestaltung beobachten. Die Geologin Mária Tóth erläuterte dazu die mineralogisch-historischen Materialgrundlagen in der Pigmentverwendung. Einen weitgespannten Überblick zur Fassadengestaltung der Architektur des Islam gab der Kunsthistoriker Attila Győr (KÖH). Diese entwickelte sich von den frühen, farbig zurückhaltenden Moscheen des 9­11. Jahrhunderts in Damaskus und Kairo zur gesteigerten Pracht der Omajadenzeit und der folgenden Dynastien von Marokko bis Isfahan und Samarkand, aber nobler Zu­rückhaltung der klassischen Kuppelbauten Sinans im 16. Jh. in Istanbul. Beispiele aus dem Kosovo und aus Bosnien wurden stellvertretend für die in Ungarn großteils später getilgten Denkmale derTürkenzeit gezeigt. Aktuelle Beispiele zur Erforschung und Wiederherstel­lung von Barockfassaden in Sopron, Veszprém, Fertőd u.a. stellte Judit Lászay (KÖH) vor. Die Barockbefunde sind wie in ganz Mitteleuropa häufig zweifarbig, mit Kontrasten von Glatt- und Rieselputzen (letztere oft mit Holzkohlefär­bung). Beim Esterhazyschloss von Fertőd hat man für die Erstfassung um 1775 rosarote Architekturgliederung in zwei Intensitäten zu Weiß sowie grüne Fensterläden ge­funden, auf die eine steingraue Phase und zwei Anstriche in Gelbocker folgten (letztere zeitlich parallel zum Auftre-

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