Magyar Műemlékvédelem (Országos Műemléki Felügyelőség Kiadványai 9. Budapest, 1984)

Krónika - Dercsényi Dezső: Walter Frodl 75 éves

WALTER FRODL IST 75 JAHRE ALT Der Kunsthistoriker, der am 16. Dezember 1908 geboren ist, ar­beitet seit den dreissiger Jahren aktiv in der österreichischen Denkmalpflege. Seit 1952 ist er Leiter des Kunsthistorischen In­stituts, das neben dem Denkmalamt, von Dvorak ins Leben ge­rufen wurde, seit 1959 ist er Ordinarius-Professor am Lehr­stuhl für Kunstgeschichte und Denkmalpflege der Wiener Techni­schen Universität, zwischen 1965-70 war er Präsident des Denk­malamtes. Seines 75-ten Geburtstags in diesen Spalten zu ge­denken ziemt sich für uns nicht nur wegen seiner in der öster­reichischen Denkmalpflege eingenommenen führenden SteUlung, sondern viel mehr wegen seiner internationale Tätigkeit, die auch uns näher berührt. Es ist allgemein bekannt, dass die selbstständig gewordene ungarische Denkmalpflege 1881 aus der österreichischen aus­geschieden war. Weniger bekannt dürfte es sein, dass diese Nabel­schnur, wenigstens in ideeller und methodischer Hinsicht, zur Zeit der Monarchie nicht zerrissen wurde. Vermutlich verdanken wir es dieser Tatsache, dass die Denkmalschutz-Prinzipien Alois Riegls und Max Dvoraks in unserer Heimat sogleich ein volles Ver­ständnis gefunden haben. Es klingt vielleicht überraschend, dass dieses Verständnis nicht nur literarisch wirkte (ich denke an die anerkennende Rezension József Hampels, lie er über Riegls grund­legendes Werk im Jahre dessen Erscheinung, 1903 geschrieben hat, ferner an die Bücher des Barons Gyula Forster Präsidenten des MOB (Kommission für Denkmalpflege), welche dieselbe An­schauung vertreten), aber auch an die Restaurierungstätigkeit István Möllers in der Praxis. Sie wirkten sogar vielleicht früher, als in der Heimat Österreich. Es ist aber der sozialen und histori­schen Entwicklung anzurechnen, dass diese wesentlich historische Anschauung weder dort, noch hier vorherrschend wurde, wohl wegen der Herrschaft der eklektischen Baukunst. Diese Anschau­ung nahm erst in der Mitte der dreissiger Jahre ihren gebühren­den Platz in der europäischen Denkmalpflege ein, um dann in der Charta von Athen (1931), dann in der Charta von Venedig (1964) ein internationales Grundgesetz der Denkmalpflege zu werden. Offenbar spielten die internationalen Beziehungen eine ent­scheidende Rolle darin, dass diese Anschauung damals nicht mehr aus der Urquelle, sondern durch einen Umweg, aus der italienischen Praxis in unsere Heimat gelangte. Ich denke dabei an die - anderswo ausführlich besprochene - Tätigkeit Tibor Gervich's und an kein geringeres Denkmal, als die Wiederher­stellung des königlichen, später erzbischöflichen Palastes von Esztergom. Das Wesentliche dieser Anschauung (und Restaurie­rungsmethode) besteht darin, dass ein Baudenkmal nur in seiner historischen Authentizität zu etwas wird, wofür wir es schützen: dass es zur Quelle der Kunstgeschichte werden, dass es uns und unseren Nachkommen ein authentisches historisches, ästheti­sches Erlebnis vermitteln soUe. Die Bande, die die ungarische und österreichische Denkmal­pflege - wenigstens auf ideeUem Gebiet - verbunden haben, sind durch die Auflösung der Monarchie zerrissen worden, sie verbanden sich erst in der Mitte der sechziger Jahre wieder. Kaum dürfte es ein Zufall genannt werden, dass dies durch Walter Frodl geschah, der auch auf diesem Gebiet die Ideen Max Dvoraks vertrat und alsbald unsere gleichen Bestrebungen erkannt hat. Bei dieser Wendung spielte natürlich die neue Position Öster­reichs in der internationalen Politik eine entscheidende Rolle. Als wir 1964 am Denkmalschutz-Kongress in Venedig einander kennen lernten und ich im Laufe unserer Bekanntschaft immer mehr sein kritisches, aber hüfreiches Verhalten gegen unsere Heimat und unsere denkmalpflegerischen Bestrebungen erfahren habe, antwortete er einmal auf meine tastenden Fragen: - Vergessen Sie nicht, Österreich ist ein Flugplatz, wo die Flug­zeuge von Osten und Westen her gleicherweise landen.­Bereits im Herbst 1964 war er, in Gesellschaft Piero Gazzola's und Raymond Lemaire's in Budapest. An der bauhistorischen und Denkmalschutz-Konferenz der Ungarischen Akademie der Wissenschaften ergriff auch er das Wort. (Műemlékvédelem 1965. S. 85-87.) Hier hat er seine, seither oft zitierte Meinung über das asketische Verhalten der ungarischen Denkmalpflege aus­gesprochen. Seit dieser Zeit konnten wir Walter Frodl an jeder internationalen Veranstaltung, wo er nur erschienen ist, als hilfs­bereiten Freund betrachten. Er empfing unsere Fachleute freund­schaftlich in seinem Institut, fallweise leistete er ihnen auch Hüfe, er gab uns die Möglichkeit, am 150-jährigen Jubüäum der Wiener Technischen Universität teilzunehmen und über die Ergebnisse der ungarischen Denkmalpflege Bericht zu erstatten. Er brachte seine Hörer regelmässig nach Sopron mit, später auch nach Szom­bathely und Ják, damit sie unsere Tätigkeit an Ort und Stelle kennen lernen sollen. Auf ähnliche Studienreise führte er seine Hörer auch in die DDR, in die Tschechoslowakei und nach Polen. Er leugnet es zwar, doch dürfte er auch daran beteüigt gewesen sein, dass bis jetzt drei unserer Fachleute der Denkmalpflege Herderpreisträger geworden sind. ODiese bedeutende internationale Auszeichnung wird nämlich nicht von der Wiener Technischen Uni­versität, sondern von der Wissenschaftlichen Universität zuer­kannt.) Zweifellos ist es aber, dass er bei der Verleihung des Denkmalschutz-Europa-Preises der FvS Stiftung für Sopron, das heisst, für Ernő Szakái, ein entscheidendes Wort hatte, war er ja zuerst Präsident, heute ein hochangesehenes Mitglied der inter­nationalen Jury. Ich halte es für seine bedeutungsvollste freundliche Geste, dass auf seine Initiative hin der Austausch jährlich von je 25 Fach­leuten des OMF und des Denkmalamtes seinen Anfang genom­men hat. Und obzwar diese Tauschbeziehung aus mir unbe­kannten Gründen nach vier Jahren eingestellt wurde, meine ich, in Kenntnis der österreichischen Leiter, dass sie bereits heute er­neuert werden könnte. Wer vielleicht gelaubt, dass hier irgendeine persönliche Freund­schaft die entscheidende Rolle spielt, lese die im Jahrgang 1973 der Österreichischen Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege er­schienene Studie: Einheit von Theorie und Praxis (zum Cente­nárium der ungarischen Denkmalpflege). (Auch ungarisch in Mű­emlékvédelem Jg. 1974.) Bei Anerkennung unserer Ergebnisse, macht er kein Geheimnis aus seinen kritischen Bemerkungen. (Siehe in diesem Band die einleitende Studie von Miklós Horler.) Wir wünschen unserem österreichischen Kollegen, unserem hüfreichen guten Freund, zu seinem 75. Geburtstag weitere er­folgreiche und ruhige Jahre. Dezső Dercsényi

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