Magyar Műemlékvédelem 1973-1974 (Országos Műemléki Felügyelőség Kiadványai 8. Budapest, 1977)
Sopron műemlékeivel foglalkozó tanulmányok - Dercsényi Dezső: A soproni műemlékvédelem három évtizede (1945-1975)
archäologische; Forschung zur authentischen Quelle des jegliche schriftliche Daten entbehrenden, mehr als ein halbes Jahrtausend umfassenden Kapitels der Stadtgeschichte und die restauriert zur Schau gestellte Mauer zum historischen Erlebnis für die Besucher {Entwurf: Judit Nagypál-Kiss). Wie ich bereits erwähnt habe, war in der ersten Periode der Wiederherstellungen die Instandsetzung der Wohnhäuser die wichtigste Aufgabe, doch kamen auch Restaurierungen von einigen, meistens aus Wohnhäusern umgestaltete öffentliche Gebäude und Kirchen dazu. Die anscheinend schematischen Aufgaben der Wohnungserneuerungen erbrachten im Laufe der Forschungsarbeiten unerwartete Resultate. Es konnte nachgewiesen und aus einzelnen charakteristischen Beispielen — meiner Ansicht nach mit Recht — verallgemeinernd festgestellt werden, wie das heutige charakteristische Stadtbild Soprons entstanden war. Anfangs wurele die halbe Breite der Grundstücke bebaut, unel zwar im wesentlichen mit Häusern, die vermutlich dreiachsig und mit dem Giebel nach der Straße gebaut wurden, die also nordischen Typs waren. Von der Hausecke bis zur Nachbargrenze zog sich eine Abschlußmauer mit großem Einfahrtstor. Die spätere Bebauung der anderen Seite des Grundstücks und die Verbindung der beiden Trakte über elem Tor ergab die in der Innenstaelt allgemeinen Fassaden südlichen Charakters, elie aber mit der Asymmetrie ihrer Fensterachsen elen historischen Werdegang ihrer Entstehung noch heute verraten. Kennzeichnenderweise bewahrte der Stadtteil jenseits des Baches Ikva den ursprünglichen Wohnhaustyp mit der dörflichen Bauart, wonach ehe hiesige Bauernbevölkerung anscheinend stärker an den Traditionen festhielt, genauer gesagt, durch keine Handwerks- oder Handelstätigkeit zur Umgestaltung ihrer Häuser vom sogenannten »Ponzichter«Typ genötigt war. Dies hängt aber weniger mit dem Nationalcharakter der Bewohner, eher mit der den gesellschaftlichen Verhältnissen entsprechenden natürlichen Entwicklung zusammen. Es erübrigt sich, die Reihe der wiederhergestellten Bürgerhäuser der Innenstadt aufzuzählen, zumal in dem vorliegenden Jahrbuch und in den Fachzeitschriften ausführliche Abhanellungen über diese berichten. Vielmehr möchten wir die 1 Aufmerksamkeit auf einige ungewöhnliche Denkmäler lenken. Für den Wiederaufbau nach dem Großbrand von 1676 war die weitgehende Verwendung der erhaltengebliebenen Gebäudeteile kennzeichnend. Dies ist für uns nicht nur deshalb von großem Wert, weil wir das Bild der gotischen Stadt vergegenwärtigen können, sondern auch deshalb, weil es auf die gesellschaftlichen und materiellem Verhältnisse der einstigen Bewohner ein Licht wirft. Obwohl zu dieser Zeit die — für Sopron so charakteristischen unel stimmungsvollen — Hoflauben, als Wahrzeichen bürgerlichen Wohlstands entstanden, wurele zugleich alles, was vom Erbe eler Vergangenheit brauchbar war, zum Wiederaufbau verwendet. Vermutlich wurden die Häuser am jenseitigen Ufer des Baches Ikva von der Feuersbrunst weniger heimgesucht, weil dort einige Gebäude, wie sich bei eler Restaurierung erwies, noch heute ihren mittelalterlichem Zustand widerspiegeln. Ich denke an die Altarpfründehäuser Halász utca (Fischer-Gasse) 1 (Bild 15. Entwurf: László Agostházy) und Pozsonyi utca (Pozsonyer-Gasse) 3 (Entwurf: Hona Pusztai-Schöner). Ersteres ist vielleicht weniger wegen seiner freigelegten mittelalterlichen Details von Bedeutung, vielmehr weil es in seiner Gesamtanlage; einen spezialen Typ vertritt, ganz abgesehen davon, elaß sein gotischer Dachstuhl fast unversehrt erhalten blieb. Die Wiederherstellungen brachten nicht nur in Hinsicht auf das Außere unel auf die Entwicklung des Baukörpers der Häuser, sondern auch in bezug auf das Innere zahlreiche überraschende Entdeckungen mit sich. Vor allem erwies sich, daß die Geschosse der Häuser durch Balkendecken voneinander getrennt waren, die 1 nach Wunsch des Bauherrn geschmückt wurden. B<;i bescheideneren Decken finden wir nur an den Balken dekorative Schnitzereien (Szent György utca 22; Bild 16), während anderswo auch die Balkenabstände ausfüllende Brettertäfelung mit reichen Ornamenten bemalt war. Die Spätrenaissance-Ornamentik der Holzdecke des Rejpál-Hauses (Lenin körút 7) beweist eindeutig, daß diese Art von Innenausstattung in Sopron schon lange vor der großen Feuersbrunst verbreitet war. Zweifellos wurden Balkendecken in den oberen Stockwerken über dem meistens gewölbten Erdgeschoß bis zur zweiten Hälfte des 18. Jh. allgemein angewandt, bis eine zentrale feuerpolizeiliche Verfügung ihrer Anwendung mit einem Schlag ein Ende bereitete. Glücklicherweise hat man dieser Verordnung nicht durch Abschaffung der Decken, sondern mit Stukkaturverblendung Folge geleistet, so daß wir bis heute bereits eine stattliche Anzahl solcher alter, recht stimmungsvoller Holzeieeken freilegen konnten. Nicht selten kommen in den Gebäuden mittelalterliche Steinmetzarbeiten, ja sogar diese nachahmende und ebenfalls mittelalterliche gemalte Dekors zum Vorschein (Bild 17. Templom utca 7 [Küchgasse]). Auch von den bürgerlichen Interieurs der Barockzeit gibt heute schon eine Reihe erschlossener bemalter Säle eine; Vorstellung (Bild 18—20; Uj utca 18 und der erste und zweite Stock des Fabricius-Hauses, heute als InterieurMuseum eingerichtet) . Die oft figurale Szenen darstellenden Wandmalereien sind lediglich Repräsentanten des bürgerlichen Geschmacks und Prunks, doch was wesentlich ist, sie sind durch ihre individuelle Formgebung und auch ihre künstlerische Qualität den im 19. Jh. modischen Zimmerbemalungen weit überlegen. Es läßt sich leicht vorstellen, daß die Einfügung dieser künstlerischen Details in die erneuertem Wohnungen dem Architekten eine schwierige Aufgabe bereiten. Wir vertreten zwar den Standpunkt, daß eine Denkmalwiederherstellung keineswegs Gelegenheit für die Entfaltung der Fähigkeiten eines schaffenden Baukünstlers ist, sondern den Architekten eher auf eine fast demütige Bewahrung der Werte der Vergangenheit beschränkt. Dennoch müssen wir zugeben, daß es außerordentliches unel großes architektonisches Können erfordert, unter den erschlossenem Details wählend und eventuell die bedeutendsten zur Schau stellend, die Einheit einer Fassade zu bewahren, und die künstlerischen Werte im Inneren zur Geltung zu bringen und dabei alle zeitgemäßen Wohnansprüche zu befriedigen. Wir können ohne Übertreibung behaupten, daß es uns gelungen ist, mit der Restaurierung fast aller alten Soproner Wohnungen die Richtigkeit unseres Grundsatzes zu beweisem, elaß nur solche Denkmäler als Wohnhäuser sicher erhalten bleiben können, deren Wohnungen allen zeitgemäßen Anforderungen entsprechen. Eher aufgrund der gegenwärtigen als der ursprünglichen Funktion können wir von Wiederherstellungen öffentliche]' Gebäude in Sopron sprechen. Das FabrieiusHaus (Beloiannisz tér 6) und besonders dessen, sich auf die Stadtmauer stützender Hoftrakt mit dem durch Kreuzgewölbe überdeckten Keller (Bild 21) und den großen Maßwerkfemstern im zweiten Stock läßt sich schwer als Wohnhaus einer Familie vorstellen, aber auch die auf verhältnismäßig gut bekannte topographische Daten gegründeten Versuche, die ursprüngliche Funktion zu bestimmen (z. B. Zunfthaus), erwiesen sich als nicht stichhaltig (Entwurf: János Sedlmayr). Heute wird das ganze; Gebäude; als Museum benutzt und wie bereits erwähnt, sind in den beiden Stockwerken des Gebäudetrakts nach dem Platz Interieur-Ausstellungen zu sehen (Entwurf: Zsuzsa Beck-Sedlmayr). Das Lackner- oder Generalhaus (Beloiannisz tér 7) nebenan (Entwurf: János Sedlmayr) und der Turm (Wohnturm?) in dessen Garten am Stadtwall bilden zusammen mit dem ebenfalls noch wiederherzustellenden Storno-Haus (Nr. 8. Entwurf: Tibor Koppány) eine einzigartige Museumsinsel im Herzen der Innenstaelt. Das Kapitelhaus (Szent György utca 7) unweit vom Beloiannisz tér wurde ebenfalls zu öffentlichen Zwecken als Lehranstalt für Gesundheitswesen wiederhergestellt.