Magyar Műemlékvédelem 1949-1959 (Országos Műemléki Felügyelőség Kiadványai 1. Budapest, 1960)

Dercsényi Dezső: Tíz év magyar műemlékvédelme

wahren Tiefe und Wert sowohl vor Laien, als auch vor den Fachmännern wirklich entfaltet. Zu diesen Ruinen sind auch noch die Burgen zu zählen, die die wertvollen Denkmäler unserer vaterländischen Freiheitskriege, unse­rer auf den Grenzgebieten der Türkenherrschaft entfalte­ten Kultur darstellen. Vor 1949 ist außer den ausgegrabenen und konser­vierten römischen Denkmälern von Esztergom, Székes­fehérvár, Szombathely, Óbuda, auf dem Gebiet der Rui­nenkonservierung wenig geschehen. Natürlicherweise sind sie auch unter unseren dringendsten Aufgaben in den Hinteigrund gerückt. In den letzten Jahren ist aber die Konservierung solcher Burgen, Kirchen, archäologischen Denkmälern eingeleitet worden, die bisher weder der For­scherspaten aufgewühlt, noch der Maurer angegriffen hat. Visegrád, Diósgyőr, die Sárospatakéi" Burg, die Burgen und Ruinen in der Umgebung des Balaton sind die ein­deutigen Beweise dieser Arbeit. Wiederherstellungsmethoden, Das Erbe, das 1949 die ungarische Denkmalpflege übernommen hat, war infolge der Mängel der Gesetzgebung, der unausgebauten Organi­sation, der kriegsbedingten Schäden nicht groß. In einer, und es muß festgestellt werden vielleicht in der wichtig­sten Frage, in den Problemen der Wiederherstellungs­und Denkmalschutzmethoden lieferte die Praxis der Jahre 1934—49 eine sehr bedeutende Grundlage für die Gestal­tung unserer heutigen Verfahren, unserer Anschauung. Die Wiederherstellung des königlichen Burgpalais in Esztergom ist für uns das Vorbild, zu dessen Methoden wir uns im Wesentlichen auch bekennen. Die hier ange­wandten Wiederherstellungsgrundsätze lassen sich viel­leicht in einem einzigen Satz formulieren : die Wieder­herstellung beruht auf streng wissenschaftlichen Grund­lagen, rechnet aber bei der erlebniserregenden Art der Präsentierung des Denkmals auch mit den Ansprüchen des Laien, des Besichtigers. Bekaimterw T cise stellt die Denkmalwiederherstellung stets ein individuelles Problem dar, folglich können nur die Grundprinzipien ihrer Methode festgesetzt werden. Unter diesen Grundprinzipien steht an erster Stelle die wissenschaftliche Authentizität, denn wir glauben und behaupten, daß das Denkmal die geschichtliche Lage, die technische und künstlerische Entwicklung der Gesell­schaft seiner Epoche getreulich widerspiegelt. Seine Wah­rung, seine Erhaltung und Präsentierung zusammen mit den bedeutsamen Zusätzen späterer Epochen, ist die Auf­gabe der Denkmalpflege. Gleichzeitig bekennen wir uns zu der Überzeugung, daß das Kunstdenkmal kein Mu­seum sei, der überwiegende Teil unseres Materials ist ein lebender, an unserem heutigen Leben beteiligter Orga­nismus, weicherden Rahmen und das Maß seiner Wie­derherstellung, seiner Präsentation selbst bestimmt. Die schweren kriegsbedingten Schäden boten eine günstige Gelegenheit zur Erforschung einzelner Gebäude ; die dabei erzielten frappanten Ergebnisse bedingten die fast ständige Anwendung dieser archäologischen Metho­den. Unsere meisten Denkmäler wurden mehr oder weni­ger unter Benützung von früheren architektonischen De­tails erbaut. Selbst bei den neu erbauten klassizistischen, romantischen oder eklektischen Gebäuden muß mit spä­teren Umänderungen (z. B. der Geschäftsportale) gerech­net werden, bei denen die ursprüngliche Lage sich am zuverlässigsten am Gebäude selbst ablesen läßt. Hinsicht­lich der Baugeschichte unserer Denkmäler, kann neben dem Quellenwert der archivarischen Angaben, Plänen, bildlichen Darstellungen, das Gebäude selbst die sicherste Grundlage geben. Diese baugeschichtlichen Forschungs­methoden haben sich in Ungarn sozusagen unabhängig von den ausländischen Anregungen ausgebildet, obgleich an den schwer beschädigten Objekten von größerem Um­fang {v.. B. an den Kirchen in Deutschland) ähnliche Ver­fahren angewandt wurden. Die baugeschichtliche Forschung sichert aber bloß die notwendige wissenschaftliche Grundlage, den Aus­gangspunkt der Wiederherstellung, löst aber keineswegs oder nur selten ihre sämtlichen Probleme. Besonders die mittelalterliche Einzelteile erhaltenden Ofner Häuser im Zopf- oder klassizist ischen Stil boten Gelegenheit zu Dis­kussionen über die genauere Ausgestaltung der Methode. Heute scheint ein Teil der wissenschaftlichen Ergebnisse lediglich in der Dokumentation aufbewahrt zu werden. Das Gebäude, insbesondere seine äußere Erscheinung stellt in erster Linie eine architektonische, genauer eine künstlerische Frage dar. Also ist die Wiederherstellung einer, auf wissenschaftlich freigelegten und beglaubigten Elementen gegründeten, aber einheitlichen Fassade das Erstrebenswerte . Möglichst zu vermeiden ist die großan­gelegte Präsentierung solcher früheren oder späteren Ele­mente, durch die die Einheit der Fassade zerbröckelt wird, vornehmlich dort, wo sich zwischen dem Maßstab des Gebäudes und dem Wert der Reste Gegensätze zeigen. Dies ist bereits eine Frage des Verhältnisses, des Maßstabs, deren Lösung die Aufgabe des wiederherstellenden Archi­tekten ist. In Verbindung mit dem Vorerwähnten rücken ge­wöhnlich zwei vielumstrittene Probleme in den Vorder­grund : die vieldiskutierte Frage der Verbesserung und die des Einbaus in die Donkmalumgebung. Das erste Problem taucht eher bei Teilfragen auf, denn der wieder­herstellende Architekt meint, daß es an manchen Stellen nicht nur sein Recht, sondern auch seine Pflicht sei, die fehlerhafte oder mangelhafte Lösung seines Vorgängers auszubessern. Der Großteil unseres Denkmalmaterials läßt sich nicht mit den führenden Schöpfungen der italie­nischen, französischem oder deutschen Baukunst verglei­chen. Sie wurden nicht von Künstlern entworfen, die sich auf dem damaligen europäischen Niveau befanden, noch weniger waren es die besten Meister die sie verwirklicht haben. So sind Mängel keine zufälligen Fälle, sie gehören zu den Charakteristika des gegebenen Zeitalters bzw. der lokalen Bautätigkeit. Möglicherweise ist das Beispiel über­trieben, aber es wäre unrichtig einen primitiv gelösten gotischen Kreuzbogen »verbessern«, umbauen zu wollen, weil wir heute mit den statischen Gesetzmäßigkeiten der gotischen Baukunst im Klaren sind, theoretisch sicher­lich in höherem Maße als dies im Mittelalter der Fall war. Viel schwieriger ist die zweite Frage. Einige der her­vorragenden vernichteten Werte des ungarischen Denk­malmaterials sind durch Fotos, zuweilen durch Pläne gut dokumentiert, so daß ihre Wiederherstellung anscheinend auf keine technischen Hindernisse stoßen würde. Selten zwar, aber doch tauchte der Gedanke des Wiederaufbaus beispielsweise des Lloydpalais auf, das eines der edelsten Schöpfungen der ungarischen klassizistischen Baukunst war, und nicht einmal auf seinem ursprünglichen Platz, sondern im Burgviertel. Viel begründeter war der Wunsch, daß bei dem Ausbau einiger Lücken des Burgviertels, das vormals dort gestandene, gut dokumentierte Denkmal als Grundlage diene. In diesen Fällen beruft man sich mit Vorliebe auf das polnische Beispiel, wobei der grundle­gende Unterschied nicht berücksichtigt wird, daß es sich dort um vollständig vernichtete Städte (Warschau, Gdansk), hier aber um dem Wiederaufbau einzelner zer­störter Denkmale in der Denkmalumgebung handelt. Die ungarische Praxis hat bis heute diesen, unseres Erach­tens in Ungarn unbegründeten Weg nicht betreten, denn wir w'aren der Meinung, daß er von zwei Gesichtspunkten aus unrichtig und gefährlich wäre. Bei der heutigen Bau­technik und den heutigen Materialien könnten wdr ohne­hin nur scheinbare Ergebnisse erzielen. Es wären bloß Scheinergebnisse, deren Falschheit bereits die sachkundi­gen Zeitgenossen, aber in noch höherem Masse unsere Nachfolger klar erkennen würden. Solche zu erbauen lohnt es sich nicht, denn sie würden nur das in die Authentizi­tät der dort bereits stehenden Denkmäler gesetzte Ver­trauen erschüttern und gefährden. Doch wir halten auch jenen Standpunkt für gefährlich, der die Einfügung in die Denkmalsumgebung durch uncharakteristische Schöp­fungen zu lösen glaubte. Unseres Erachtens kann die Bau­kunst von heute, mit der heutigen Formsprache, unter Berücksichtigung der durch den Ort und die Umgebung gegebenen Elemente, solche Schöpfungen zustandebrin­gen, die zeitgemäß sind und sich doch in die Denkmals­umgebung einfügen. Diesbezüglich verfügen wir, insbe­sondere in Verbindung mit dem Ausbau des Burgviertels bereits über einige gute Beispiele. Die auf wissenschaftlicher Grundlage durchgeführte Forschung und die Verwertung ihrer Ergebnisse kann bei

Next

/
Thumbnails
Contents