Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Gebäude - Elisabeth Springer-Manfred Wehdorn: Der Baubestand

Der Baubestand 51 „Löwenkopf und Löwenfell", Dekoration an den Stirnseiten der Regale im II. Magazingeschoß „Das aufgeschlagene Buch, umwunden von der Ordenskette des Goldenen Vlieses", Dekoration an den Stirnseiten der Regale im IV. Magazingeschoß „Delphin und Muschel", Dekoration an den Stirnseiten der Regale im VI. Magazingeschoß Theresias in der Eingangshalle. In den oberen Seitenwänden des Stiegenhauses wären zwei Gemälde über die Gründungsphasen des Archivs passend. Denn „der monumentale Charakter des Gebäudes verlangt auch eine entsprechende dekorative Ausschmückung des Entrees". In einer dies­bezüglichen Zuschrift an das Innenministerium wird auch unumwunden gesagt, daß die Delegationen für diesen Bau nur die Kosten für die Möblierung (60.000 Kronen) und für das photographische Atelier (6.000 Kronen) bewilligt hätten. Da es offenbar eine mündliche Absprache zwi­schen Außenminister und Innenminister gegeben hatte, wurden die Kosten für die Kunstwerke gleichfalls vom Stadterweiterungsfonds übernommen. In einer Notiz vom 10. August 1902 wird unmißverständlich von einem Standbild der Kaiserin Maria Theresia gesprochen, denn „die Nischen­architektur verlangt nach plastischer Ausfüllung". Im November 1902 sind schon alle Künstler bekannt: Carl Peyfuss arbei­tet bereits am Deckenbild im Stiegenhaus „Das Bildnis Maria Theresias von Putten getragen". Edmund Hellmer wird am 20. Februar 1903 mit der Anfertigung der Statue von Maria Theresia betraut. Die zwei Meter hohe Figur sollte aus Laaser Marmor erster Qualität bestehen; dazu ein Sockel aus geschliffenem und poliertem Salzburger Marmor mit Bronzen und Inschrift. Als Hellmer mit dem vorgeschlagenen Honorar nicht zufrieden war, über­nahm das Außenministerium nun doch einen Teil der Kosten. Am Sockel mußten jedoch auf Wunsch von Goluchowski noch Änderungen vorge­nommen werden, bis das fertige Werk endlich im Mai 1906 an Ort und Stelle gebracht wurde. Josef Kassin schuf die Büste Kaiser Franz Josephs. Laut dem Akkord-Protokoll vom 12. Februar 1903 sollte sie einen Meter hoch und ebenfalls aus Laaser Marmor bestehen. Die Versetzung der ferti­gen Büste erfolgte im April 1904. Schwieriger nachzuvollziehen ist die Entstehungsgeschichte der künstle­rischen Ausgestaltung der Seitenteile der Eisengerüste im Magazintrakt. Die Entwürfe dazu stammen vom Bildhauer Veit Matauschek und waren ursprünglich für Stuckverzierungen im Stiegenhaus des Bürotraktes vorgese­hen. Erst nachträglich wurden sie im Archiv verwendet. Daher erhebt sich die grundsätzliche Frage, wann diese Reliefs angebracht wurden. Anläßlich der Vorbereitung auf die Kollaudierung stellt Gustav Winter jedenfalls fest, daß die gewünschte Numerierung der Regale nach seinem Plan noch immer nicht durchgeführt worden sei; die Reliefs waren damals also noch nicht angebracht. Als Schmuck für die Stirnseiten der Regale, damals Repositorien ge­nannt, scheinen fünf Varianten auf: 1. In den Geschossen I und II findet sich ein Löwenkopf und -feil, was sich auf Herkules beziehen könnte, als das „tragende" Element in den unteren Geschossen. Vielleicht wählte man diese Gestaltung aber auch zur Erinnerung an den Reichskanzleitrakt, der das Motiv des Löwenfells über dem Durchgang zur Schauflergasse trägt. 2. Die Initiale Franz Joseph mit Lorbeerkranz in den Geschossen III, V, und VII bedarf keines Kommentars, sie bezieht sich eindeutig auf die Bauherrenschaft. 3. Das aufgeschlagene Buch in den Geschossen IV, VIII und X sowie in leicht abgewandelter Form in der Bibliothek im Verwaltungstrakt deutet wohl auf den Inhalt des Archivs hin. Die Ordenskette des Goldenen Vlieses, die das Buch umschlingt, ist in bezug auf die Rolle des Archivs als Habsburgisches Hausarchiv zu sehen. Das herabhängende Siegel ziert der habsburgische Doppeladler.

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