Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Gebäude - Elisabeth Springer-Manfred Wehdorn: Zur Baugeschichte des Haus-, Hof- und Staatsarchivs

Zur Baugeschichte des Haus-, Hof- und Staatsarchivs 45 waren. Die Raumhöhen in den Magazinen waren eher gering angelegt, wodurch die Verwendung von Leitern vermieden werden konnte. In der Vertikalen wurden die Geschosse durch möglichst dicht gereihte Büchergerüste, die durch wenige Längsgänge und zahlreiche Quergänge erschlossen wurden, geteilt. Da es in Deutschland bereits einige nach diesem Modell errichtete Archivgebäude gab, begaben sich Pokorny und Winter vom 29. Jänner bis 14. Februar 1899 auf die genehmigte Studienreise. Sie besichtigten das Haupt- und Staatsarchiv in Weimar, das Staatsarchiv in Magdeburg, das Kriegs- und das Hauptarchiv in Dresden, das Stadtarchiv in Frankfurt, das Kreisarchiv in Nürnberg, die Universitätsbibliothek und die Bibliothek des Reichsgerichts in Leipzig sowie das Bezirksarchiv und die Universitätsbibliothek in Straßburg. Ausschlaggebendes Vorbild scheint, wie aus dem Vergleich der Bauten geschlossen werden kann, das Haupt- und Staatsarchiv in Weimar gewesen zu sein. Für den neuen Archivbau in Wien entwickelte man folgende Grundsätze:- Anwendung des Magazinsystems- Vereinigung von Verwaltungs- und Magazinräumen unter einem Dach- Seitliche, nicht zentrale Anordnung der Verwaltungsräume, womit eine Feuermauer entfällt und die Übersichtlichkeit der Bestände gewährleistet ist- „Feuersichere" Trennung von Verwaltung und Magazin und Separierung beider Bauteile vom Ministerial-Gebäude- Maximale nutzbare Raumhöhe der Geschosse von ca. 2,50 Metern, um den Gebrauch von Leitern vermeiden zu können- Trennung der Magazingeschosse durch Roste, wobei jedoch mindestens zwei Geschosse mit massiven Böden versehen sein müssen- Ausführung sämtlicher Einrichtungen des Magazins in Eisen- Anlage einer Niedrigdruckdampfheizung, die eine Erwärmung bei einer Außentemperatur von -20 Grad auf +12 Grad erlaubte- Elektrische Beleuchtung sämtlicher Räume. So lagen die wesentlichsten Planungsfaktoren bereits im März 1899 vor, wobei Franz Pokorny für die technischen und Otto Hofer für die baulichen Angelegenheiten zustän­dig war. Hofer kündigte Anfang 1899 seinen Vertrag mit dem Hofbau-Komitee für die Bauleitung der Neuen Hofburg und arbeitete entsprechende Detailpläne samt allen nötigen Grundlagen aus. Diese wurden am 3. Juni 1 899 dem Kaiser vorgelegt, zugleich mit dem Ersuchen, Hofer mit der Bauleitung zu betrauen und den Stadterweiterungs­fonds zurTragung der Kosten zu verpflichten. Der Kaiser genehmigte diese Anträge, und Otto Hofer schloß einen neuen Vertrag mit dem Hofbau-Komitee bezüglich der Bauleitung des neuen Archivgebäudes. Die Baubewilligung erfolgte am 27. Mai 1899. Den Auftrag für die Baumeisterarbeiten erhielt die Firma Eduard Frauenfeld & Berghof, die Berechnung der eisernen Archivkonstruktion lag in den Händen von Baurat Sigmund Wagner, die Lieferung und Montage der Eisenteile erfolgte durch die Brückenbauanstalt Ignaz Gridl. Bereits am 21. Jänner 1902 erfolgte die kommissionelle Kollaudierung des gesamten Gebäudes. Die historische Bausubstanz blieb im Prinzip seit damals unverändert. Der einzige größere Eingriff war die Überdeckung des ehemaligen Glasdachs mit Asbestzement­platten im Jahr 1975.

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