Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Friedrich Polleross: Arbor Monarchia

193 Friedrich Polleroß Arbor Monarchica Das zweifellos größte Dokument des Österreichischen Staatsarchivs bildet der insge­samt 840 x 210 cm große und 1698 in Wien entstandene Kupferstich Arbor Monarchica Repraesentans Omnes Universi Orbis Monarchas. Das von Wolfgang Wilhelm Prämer konzipierte Bildwerk besteht aus sieben Teilen und präsentiert eine umfassende Weltgeschichte von der Schöpfung bis zu Leopold I. nach dem System der vier Weltmonarchien. Neben dem kolorierten Riesenbild im Vorraum der Direktion des Haus-, Hof- und Staatsarchivs sowie einem Exemplar der Bayreuther Universitätsbiblio­thek konnte auch eine gebundene Stichserie in der Österreichischen Nationalbibliothek nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um die erste Auflage, die Kaiser Leopold I. sowie seinen beiden Söhnen, Prinz Eugen und der Stadt Wien gewidmet war. Ein kolo­riertes Exemplar der Stichserie mit einer gedruckten spanischen Widmung an Kaiser Karl VI. als Potentissimo Rey delas Hespanas y inuiuo Emperadore dela America y nueuo Mundo hat sich ebenfalls in der Nationalbibliothek in Wien erhalten. Wie die Widmung verrät, wurde es in der Universitätsdruckerei Ignaz Voigt produziert und am 1. Jänner 1 712 vom Autor persönlich dem Kaiser überreicht. Der auf dem ersten Kupferstich der Serie und im Titelblatt des Begleittextes als Autor genannte Wolfgang Wilhelm Prämer ist vor allem als Architekturtheoretiker bekannt. Er wurde um 1637 geboren und entstammte einer alteingesessenen Wiener Bürgerfamilie. Seit etwa 1660 stand er in kaiserlichen Diensten, zunächst als Kammerdiener, widmete sich daneben aber auch dem Kunsthandel. Bereits vor 1657 verfaßte er eine Erklerung dess gemalten Emblematis in deutschen Versen, die Erzherzog Leopold Wilhelm dedi- ziert wurde, und 1 661 schrieb er ein ebenfalls unpubliziertes Compendium architectu- rae militaris über die Fortifikationsbaukunst. In den siebziger Jahren entstand Prämers Hauptwerk Architecturischer Schauplatz, eine Handschrift mit mehr als fünfzig eigenhändigen Zeichnungen. Die Arbeit resultier­te wohl aus Prämers Funktion als Hofquartiermeister, war es doch das Bestreben des Wiener Hofes, mit der in den 1660er Jahren einsetzenden „Stadterneuerung" nicht nur Wohnraum für den ständig wachsenden Hof zu beschaffen, sondern auch eine Verschönerung des Stadtbildes durch moderne und repräsentative Bauten zu erreichen. Der Architekturtraktat umfaßt ein Palastprojekt sowie zahlreiche Ansichten vorwiegend zeitgenössischer Wiener Bauten. Die Fassadenzeichnungen entstanden wohl bereits ab 1670 für das topographisch-historische Werk über Wien, das 1678 in einer Kurzfassung unter dem Titel Ehren=Breiss der Kayserlichen Residentz: und Nider=Oesterreichischen Elaubt=Statt Wienn veröffentlicht wurde. 1684 wurde Prämer Zeugwart und Zeugsleutnant, 1685 Hofkriegsrat und 1687 Zeugsoberleutnant. Dieses Amt legte er 1698 zurück, er wurde aber noch 1704 als Kommissar zum Empfang des türkischen Gesandten Ibrahim Effendi bestimmt und starb 1716 in Wien. Eine eindeutige politische Absicht und höfische Panegyrik kennzeichnen auch Prämers „Alterswerk", den Monarchen-Baum, der die wichtigsten Ereignisse der 5640 Jahre Weltgeschichte vorführen sollte. Äste und Früchte waren auß denen vornembsten von diser Matery geschribenen Büchern entsprossen und herauß gezogen worden/ daß also durch solchen wiederumb in Cedächtnuß gebracht wird die Allmacht deß Allerhöchsten/ (...) indeme er alle Monarchen/ Könige und andere gecrönte Häupter/ Philosophos/ auch Históriám universalem (...) seinen rechtmässigen Sitz/ und Wohnungs=Platz gibet; nicht weniger aller Königreich deren Anfang/ Regierung und Untergang vorstellet.

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