Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - IV. Kultur

Kultur 165 10 Arthur Schnitzler und das Wiener Burgtheater 1 894 Januar 14, Wien Schreiben Arthur Schnitzlers an Max Burckhard, den Direktor des Hofburgtheaters, betreffend drei diesem eingesendete Stücke Papier, ganz eigenhändig, zwei Blatt, deutsch Hofarchive, Burgtheater Nr. 118/1894 1893, im Jahr als sein Vater starb und Arthur Schnitzler (1862-1931) sich endgültig ent­schied, dem Schreiben in Hinkunft gegenüber seinem Arztberuf den Vorrang zu geben, erschienen erstmals die sieben (ursprünglich zehn) Einakter des „Anatol"-Zyklus gedruckt in einem Band, darunter auch „Frage an das Schicksal", „Episode" und „Abschiedssouper", die zwischen 1888 und 1 891 entstanden waren. Schnitzler, der den Druck selbst finanzieren mußte, versandte das Stück in der Folge an Freunde und Bekannte zur Beurteilung. In seinem Brief vom Jänner 1894 ersucht er den Direktor des Burgtheaters, Max Burckhard (1854-1912, Direktor 1890-1898), den genannten drei Einaktern, die ihm ein dreiviertel Jahr zuvor zugegangen seien, seine Aufmerksamkeit in Hinblick auf eine mögliche Aufführung zuzuwenden. Die drei „sehr kurzen Stückchen" seien gut geeignet, insbesondere würden sie gut zum gegenwärtigen Publikumsge­schmack und der Gestaltung des Repertoires passen. Eine Ausnahme sei vielleicht das dritte Stück, das „in Anbetracht des etwas freieren Tons" womöglich nicht für eine Hofbühne in Betracht käme. Tatsächlich hatte das „Abschiedssouper" schon bei der Erstaufführung in Bad Ischl im Sommer 1893 Proteste ausgelöst. Burckhard, der die modernen Dramatiker seiner Zeit überaus förderte, hatte die Stücke gar nicht erhalten. Noch unter seiner Direktion - und gegen heftigen Widerstand - kam es zur ersten Schnitzler-Aufführung des Burgtheaters: „Liebelei" (1895). Der vollständi­ge „Anatol" wurde erst 1910 in Berlin und am Wiener Volkstheater uraufgeführt. Gerhard Gonsa

Next

/
Thumbnails
Contents