Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Bestände - III. Haus - Hof - Staat
Staat 141 3 Auf dem Weg zur europäischen Großmacht 1477 September 1 7, Brügge Testamentarische Verfügung der Maria von Burgund zugunsten ihres Gatten Erzherzog Maximilian von Österreich Pergamenturkunde mit den eigenhändigen Unterschriften Marias von Burgund und der Herzoginwitwe Margarete (von York), beschädigtes Siegel an rot-grünen Seidenfäden, latéin Familienurkunden Nr. 735 Noch im 15. Jahrhundert war die Machtbasis der Habsburger eine ausgesprochen schmale. Zwar war Erzherzog Friedrich (1415-1493) 1440 zum römischen König gewählt und 1452 in Rom zum Kaiser gekrönt worden, in der ersten Liga der europäischen Fürsten vermochte das Haus Österreich aber noch nicht mitzuspielen. Dies änderte sich erst im August 1477 durch die Heirat von Friedrichs Sohn Maximilian (1459-1519) mit Maria von Burgund (1457-1482), der Tochter und vielbegehrten Erbin des kurz zuvor im Kampf gefallenen Herzogs Karl des Kühnen. Das Herzogtum Burgund hatte sich unter einem jüngeren Zweig der französischen Königsfamilie seit dem 14. Jahrhundert zu einem mächtigen und reichen „Staat" entwickelt, der neben dem namengebenden Herzogtum in Ostfrankreich unter anderem noch den Benelux-Raum und das heutige Nordfrankreich umfaßte. In ihrem bereits kurz nach der Eheschließung verfaßten Testament vermachte Maria für den Fall ihres kinderlosen Todes ihrem Gatten Maximilian ihre Länder und ihr sonstiges Vermögen bis auf eine für anderweitige Legate reservierte Summe. Als Maria schon 1482 an den Folgen eines Reitunfalls starb, waren zwei Kinder vorhanden, Margarethe (1480-1530) und Philipp (1478-1506), der nun Nachfolger seiner Mutter in den burgundischen Ländern wurde. Erst nach langjährigen blutigen Auseinandersetzungen mit Frankreich war der Großteil des burgundischen Erbes sicher in habsburgischer Hand und der Grundstein für die europäische Großmachtstellung der Dynastie gelegt. Die Heirat Philipps des Schönen mit der spanischen Thronerbin Juana im Jahre 1496 sollte schließlich den Besitz der Familie noch auf die iberische Halbinsel, die spanischen Besitzungen in Übersee und Süditalien erweitern. Michael Hochedlinger