Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - III. Haus - Hof - Staat

Hof 131 5 Der inszenierte Tod 1705 Mai 5, Wien Totenbild Kaiser Leopolds I. Aquarell auf Holz, gerahmt Kaiser Leopold I. verstarb am 5. Mai 1 705. Am Tag danach erfolgte die Sezierung und Tresor Einbalsamierung des Leichnams, wobei, wie nach dem habsburgischen Zeremoniell üblich, das Herz und die inneren Organe entnommen und in eigenen Bestattungsgefäßen in der Herzgruft in der Augustinerkirche bzw. in der Herzogsgruft in St. Stephan bestattet wurden. Der einbalsamierte Leichnam wurde dann in der Ritterstube der Hofburg öffentlich aufgebahrt. Die Wände der Ritterstube waren ab 7. Mai zu diesem Zweck mit schwarzem Stoff drapiert, die Leiche des Kaisers lag auf einem Prunktotenbett. Eben diese Szene ist auf dem Totenbildchen zu sehen. Der Kaiser liegt, bekleidet mit dem schwarzen seidenen Mantelkleid, Perücke, Hut, Handschuhen und Degen, auf zwei schwarzen samtenen Polstern unter einem schwarzen Baldachin. Zu seinen Füßen ist ein silbernes Kruzifix aufgestellt, rechts davon sehen wir Reichskrone, Reichsapfel, Szepter und die Kollane des Goldenen Vlieses, links davon die ungarische und böhmi­sche Krone. An den Seiten der Paradebühne standen zahlreiche große und kleine sil­berne Leuchter mit brennenden weißen Wachskerzen. Das Begräbnis des Kaiser fand am 9. Mai 1705 statt, er wurde in der Karlsgruft der Kapuzinerkirche beigesetzt, wo er in einem eindrucksvollen barocken Prunksarkophag seine letzte Ruhestätte fand. Irmgard Pangerl

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