Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - II. Der Stoff, aus dem Geschichte ist

Der Stoff, aus dem Geschichte ist 113 13 Ein Testament aus dem Kerker 1867 Juni 4-1 3, Querétaro Testament des Kaisers Maximilian von Mexiko Original, nicht eigenhändig, mit gegenseitiger Bestätigung der Zeugenunterschriften, sechs Blatt, spanisch und französisch Familienurkunden Nr. 2541 Ferdinand Max, der Bruder Franz Josephs, hatte sich unter dem Einfluß des französi­schen Kaisers Napoleon III. bereit gefunden, als Kaiser Maximilian I. nach Mexiko zu gehen. Schon nach drei Jahren wurde die Monarchie durch die Republikaner unter Benito Juarez gestürzt. Maximilian wurde in seiner letzten Verteidigungsbasis Querétaro gefangen genommen und schließlich am 19. Juni 1867 erschossen. Diese äußeren Umstände erklären die fehlende Unterschrift des Kaisers auf dem Testament und die verzweifelten Versuche, dessen Echtheit zu bestätigen. Maximilian hatte dem Legationssekretär Dr. Ernst Schmit von Tavera vor dem österreichischen und dem belgischen Gesandten und dem Leibarzt Dr. Samuel Basch ein Kodizill zu seinem Testament von 1864 in spanischer Sprache diktiert. Der Text war offensichtlich noch nicht ganz fertiggestellt, wie spätere Äußerungen Maximilians gegenüber Basch vermu­ten lassen; jedenfalls fehlte die Unterschrift, da die drei Diplomaten von den mexikani­schen Behörden für eine Woche aus Querétaro ausgewiesen wurden, den fraglichen Text aber bei sich hatten. Die beiden Gesandten Lago und Hoorickx sowie Basch setzten in französisch eine Erklärung über die Echtheit der kaiserlichen Willenserklärung auf. Um alle Formalitäten zu erfüllen, beglaubigte Schmit von Tavera noch die Echtheit der drei Unterschriften. Um allen eventuellen Einwendungen von juristischer Seite zuvorzukommen, erklärte Franz Joseph das Schriftstück zum gültigen Testament. Elisabeth Springer

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