Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)

Bestände - II. Der Stoff, aus dem Geschichte ist

Der Stoff, aus dem Geschichte ist 105 5 Verschlüsselte Nachricht 1623 Jänner 9, Madrid Diplomatischer Bericht des kaiserlichen Gesandten in Spanien, Franz Christoph Khevenhüller Papier, ganz eigenhändig, Doppelblatt, deutsch Staatenabteilungen Spanien Diplomatische Korrespondenz 17 Die kaiserlichen Gesandten verfaßten ihre diplomatischen Berichte in jener Sprache, die ihnen am geläufigsten war, gewöhnlich auf Deutsch, oft aber auch in lateinischer oder italienischer Sprache; ab der Mitte des 18. Jahrhunderts setzte sich im diplomati­schen Schriftverkehr definitiv das Französische durch. Auf der Abbildung ist zu erken­nen, daß Begriffe nicht-deutschen Ursprungs, vor allem Lehn- und Fremdworte aus dem Lateinischen, durch die Verwendung der lateinischen Schreibschrift deutlich abgehoben werden, wogegen für deutsche Worte seit dem 16. Jahrhundert die „Kurrentschrift" ver­wendet wurde. Geheimzuhaltende Sätze bzw. Worte wurden mit Chiffren („Ziffern") verschlüsselt, die Dechiffrierung erfolgte gewöhnlich - nicht jedoch im vorliegenden Beispiel - durch einen Sekretär der kaiserlichen Reichskanzlei zwischen den Zeilen („interlinear"). Die „Chiffrenschlüssel" besaßen üblicherweise für die gesamte Dauer einer diplomatischen Mission, also oft viele Jahre lang Gültigkeit, für aufmerksame Geheimdienste waren sie daher auch nicht allzu schwer zu knacken; nur in Ausnahmefällen wurden die „Ziffern" verändert. Umgekehrt verfügte die Reichskanzlei über Dechiffrierschlüssel, die ein rasches Entziffern der geheimen Textpassagen ermög­lichte. Emst Petritsch

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