Leopold Auer - Manfred Wehdorn (Hrsg.): Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv (2003)
Bestände - II. Der Stoff, aus dem Geschichte ist
Der Stoff, aus dem Geschichte ist 101 1 Aufarbeitung des habsburgischen U rkundenschatzes 1527-1545, 1565 (mit späteren Ergänzungen), Wien Wilhelm Putsch, Register des kaiserlichen Schatzgewölbes Papiercodex (675 bzw. 940 Blatt), Ledereinband, deutsch Alter Archivbehelf 333 (Putsch B, Reinschrift), Bd. 1 (von vier Bänden) und 334 (Putsch C, Abschrift), Bd. 4 (von sechs Bänden) Seit man Schriftnotizen ihres Wertes wegen aufbewahrt, lassen sich auch vielfältige Hüllen zu ihrem Schutz nachweisen, unter denen der Bucheinband natürlich eine weit verbreitete Variante darstellt. Das hier vorgestellte „Putsch-Verzeichnis" ist hinsichtlich Einband und Inhalt gleich bedeutsam. Wilhelm Putsch (nachweisbar 1504-1547) war Sekretär und Registrator der Regierungen in Innsbruck und Wien und mit der Sammlung aller auch in anderen Residenzen des Hauses Österreich verbliebenen Urkunden befaßt. Das Ergebnis seiner Tätigkeit waren das fünfbändige Repertorium des alten Schatzgewölbearchivs und die faktische Zusammenführung all dieser Urkunden in den Burgen von Wien und Innsbruck. Dazu ließ er tragbare Truhen mit je acht Laden anfertigen, die in fortlaufender Numerierung das Lókat der jeweiligen Urkunde darstellen und daher auf jedem Stück angebracht wurden. In den Bänden werden die Stücke mit einer knappen Angabe ihres Inhaltes verzeichnet. Dieses Verzeichnis wurde wegen seiner Bedeutung für die verschiedenen regierenden habsburgischen Linien im 16. Jahrhundert mehrfach kopiert. Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv verwahrt fünf Exemplare mit insgesamt 27 Bänden. Einige Stücke weisen noch den Originaleinband auf, der für häufig gebrauchte Werke besonders robust, aber immerhin mit hohem handwerklichen Geschick verfertigt wurde. Dieser Einband mit übergreifender Klappe besteht aus Schweinsleder und wurde durch Schließriemen und Schnallen verstärkt; ein farblich abgesetztes Lederflechtwerk ist das einzige Zierelement. Künstlerisch ambitionierte Einbände zeichnen sich durch Ritzungen, Blinddruck oder Goldprägung aus. Elisabeth Springer