1100 Jahre österreichische und europäische Geschichte in Urkunden und Dokumenten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1949)

1100 Jahre österreichische und Europäische Geschichte - Transkriptionen und Erläuterungen

Da der Kaiser ohne männliche Erben war, erließ er, um die seit Ferdinand I. begründete Monarchie nicht der Teilung 'preiszugeben und seiner Familie zu erhalten, ein neues Erbfolgegesetz, die Pragmatische Sanktion. Dieses bestimmte, daß die österreichischen Erbländer nie geteilt werden sollten und daß beim Aussterben der männlichen Linie der Habsburger die weibliche in derselben Ordnung wie jene, nämlich nach dem Rechte der Erstgeburt, zur Erbfolge berufen sei. Zugleich wurde festgesetzt, daß zuerst die Töchter Karls VI. und deren Nachkommen, dann die Josephs I., hierauf die Leopolds I. folgen sollten. — ln den Jahren 1720—1723 gaben die Stände der österreichischen Länder ihre Zustimmung zur Pragmatischen Sanktion. In der Folge suchte ihr der Kaiser allgemeine Anerkennung bei den europäischen Staaten zu verschaffen und brachte dafür große Opfer. Ihre kayserliche Mayestät haben auf den Neunzehen/den April Sibenzehenhundert und drey zehen urab zehen uhr allen dero alliier in / Wienn anweesenden Geheimben Rathen an / dem gewöhnlichen ohrt zu erscheinen ansagen / lasßen. Als nun die bestimbte stund / herbeykommen, haben sich Ihre keyserliche Mayestät / in dero geheimben Raths-stuben unter / den Baldachin begeben und vor den gewöhn/lichen kayserlichen Tisch gestehet, darauf auch dero / Geheimbe Räthe und Ministros hinein be/rueffen, diese seynd in ihrer Ordnung ein/getretten und jeder an seinem ohrt / stehend gebliben: als (tit.) Prinz Eu/genius von Savoyen, Fürst von Traut/sohn, Fürst von Schwarzenberg, Graf / von Traun Landmarschall, Graf von / Thurn Ihrer keyserlichen Mayestät Eleonora Obrist/hofmaister, Graf von Dietrichstein Obrist/stallmaister, Graf von Seilern Hofcanz/ler, Graf von Stahrnberg Camer-Präsi/dent, Graf von Martiniz Junior. [Blaas] 53. 1714 März 6, Rastatt. Kaiser Karl VI. und König Ludwig XIV. von Frankreich schließen Frieden und beendigen damit den nach dem Erlöschen der spanischen Linie des Hauses Habsburg ausgebrochenen spanischen Erb­folgekrieg. Orig.-Perg., Buchform, 13 Blätter: (25 bx 37-5 h), Blatt 37'. — Faksimile verkleinert. Drucke: Lünig, Reichsarchiv, pars gen. cont. 2, S. 1075. — Dumont, Corps univ. 8, 1, S. 415. Regest: Bittner, Verzeichnis 1, S. 131 n. 692. • Ratifikation Kaiser Karls VI. von 1714 März 17, Wien und König Ludwigs XIV. von 1714 März 23, Versailles (Orig.- Perg.: Haus-, Hof- und Staatsarchiv). — Die Ergänzung dazu bildet der am 7. September 1714 zu Baden abgeschlossene Friede zwischen Kaiser Karl VI., den deutschen Reichsständen und König Ludwig XIV. von Frankreich (Orig.-Perg.: Haus-, Hof- und Staatsarchiv). — Bittner, Verzeichnis 1, S. 131 n. 694. In diesen Verträgen wurden die Bestimmungen des Utrechter Friedens vom 3.—14. März und vom 2. April 1713 zwischen Kaiser Karl VI., der Königin Anna von Großbritannien und ihren Verbündeten einerseits und König Ludwig XIV. von Frank­reich und seinen Verbündeten anderseits, sowie zwischen Kaiser Karl VI. und König Friedrich Wilhelm I. von Preußen (Bittner, Verzeichnis 1, S. 130 n. 686 und 687) anerkannt; danach sollten u. a. insbesondere Spanien und die spanischen Kolonien Philipp V. verbleiben, die Niederlande und die spanischen Provinzen in Italien (Neapel, Sardinien und Mailand) Österreich gehören, Spanien sollte nie mit Frankreich vereinigt werden, Ludwig XIV. erkannte die Sukzession des Hauses Hannover in England an, England erhielt Gibraltar, Neufundland, die Hudsonbailänder und Neuschottland, Preußen erwirkte die Anerkennung seiner Königswürde auch von seiten Frankreichs und erhielt Ober-Geldern und Neuchätel, der Herzog von Savoyen erhielt das Königreich Sizilien und die Zusicherung der eventuellen Sukzession in Spanien. Article XXXVII. Le present traitté sera ratifié par l’/Empereur et par le Roy Trés Chr(estien) et l’echange / des ratifi­cations sera fait au palais J) / de Rastadt dans l’espace dTm mois/a compter du jour de la signature, ou/plutot, si faire se peut. En foy de / quoy les susdits ambassadeurs / extraordinairs et plenipotentiairs/tant de sa M(ajes)té Imp(éria)le que de sa Maj(est)é Trés / Chr(estienn)e ont soussigné le present traitté / de leurs propres mains, et y ont / apposé les sceaux de leurs armes. / Fait au palais de Rastadt ce/sixieme mars mii sept cent et / quatorze. / L. S. * 2) Eugene de Savoye 3) L. S. 2) Le M. Dúc de Villars 3) [CorethJ 54. 1716 August 17, Zenta. Prinz Eugen von Savoyen schreibt (vermutlich an den Grafen Mercy 1), betreffend den Übergang der Armee über die Theiß atif dem Vormarsch gegen Temesvár. Orig.-Pap., 2 Blätter: (16-5 bx 25 h), Blatt lv. — Faksimile in Originalgröße. Erwähnt: Arneth, Prinz Eugen von Savoyen 2, S. 403. — Matuschka, Der Türkenkrieg 1716—18 (Feldzüge des Prinzen Eugen II/7), S. 226f. b Chateau getilgt.-) Rote Lacksiegel an schwarz-gelben Seidenschnüren. 3) Die Unterschriften sind eigenhändig. 73

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