Emerich Bielik: Geschichte der K. u. K. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld-Vicariates (Wien, 1901)
I. Theil. Die militär-geistliche Hierarchie und die Militär-Seelsorge vor der Errichtung des Apostolischen Feld-Vicariates - 3. Capitel. Die Militär-Seelsorge
53 Für den Feldzug 1701 wurde für die gesammte italienische Armee eine sogenannte »halbe Feldapotheke« aufgestellt. Charakteristisch dabei war der Vorschlag des General-Kriegs-Commissärs: »Die alltägliche Erfahrung zeige, dass oft in den gefährlichsten Fällen, in welchen aller menschliche Rath vergebens und die kostspieligsten Medicamente erfolglos blieben, ein ganz simples Mittel, das fast gar nichts kostete, einen aufgegebenen Patienten vermittelst göttlichen Segens wieder gerettet habe. Deswegen sollen besonders bei den gemeinen Soldaten und Unterofiicieren weder kostspielige noch mannigfaltige Arzneien verabfolgt werden1).« Insolange der Kriegsdienst als eine Art Handwerk betrachtet wurde, glaubte der Staat nicht verpflichtet zu sein, für die im Dienste untauglich gewordenen Soldaten sorgen zu müssen. Auch in der Epoche, welche den Übergang vom Söldnerwesen zu einem geregelten Kriegsheere bildete, wurde dieser Standpunkt noch festgehalten. Der Staat bot damals nur hie und da Hilfe; die Mehrzahl der willkürlich abgedankten, verstümmelten oder sonst zum Dienste untauglich gewordenen Officiere und Soldaten blieb ihrem Schicksal überlassen. Da aber der vom bürgerlichen Leben losgelöste Soldat jener Zeit, eben weil er häufig bis in sein hohes Alter bei den Fahnen blieb, dringend einer Versorgung bedurfte, wurde nicht nur von bemittelten Privaten, sondern auch von der Herrscherfamilie nach Kräften an der Verbesserung des Loses invalid gewordener Soldaten und Officiere gearbeitet. Bereits im Jahre 1658 vermachte Graf Strozzi *) *) Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen I S. 290.