Emerich Bielik: Geschichte der K. u. K. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld-Vicariates (Wien, 1901)

I. Theil. Die militär-geistliche Hierarchie und die Militär-Seelsorge vor der Errichtung des Apostolischen Feld-Vicariates - 2. Capitel. Die militär-geistliche Hierarchie

29 Sorgen aus, die großen der Regierung wie die kleinen des Hauswesens, um von ihm Rath und Trost, vor allem aber seinen Segen zu empfangen. Das Vertrauen der Kaiserin Eleonora auf den heiligmäßigen Mann, auf die Macht seiner Fürbitte und die Wunderkraft seines Segens war ein ganz außerordentliches. In den ersten Septembertagen 1683 traf er vor Wien beim Ersatzheere ein, und nicht nur in dem bedrängnis­reichen Jahre, sondern auch während der nächsten Feldzüge bis zum Falle Belgrads am 6. September 1688 begleitete er die kaiserliche Armee, nicht bloß als Priester, sondern zugleich als initberathendes Kriegshaupt und in dieser Eigenschaft als die Seele der Thätigkeit nach beiden Richtungen hin, als Mann des unbedingten Vertrauens des Kaisers Leopold. Nach 1688 gestattete die Last der Jahre dem Pater nicht mehr die Betheiligung an den Feldzügen. Er lehnte es ab, am Hofe zu leben und zog sich in die Stille des Klosters zurück. Allein auch in der stillen Einsamkeit seiner Klosterzelle folgten seine Gedanken der Armee, und wie er in früheren Jahren so oft seine Hand segnend über die Kämpfenden gebreitet hatte, so that er es im Geiste auch fortan vor dem Altare seiner Klosterkirche, zuletzt auf Wunsch des Kaisers am 15. August 1691. Ein Tagesbefehl des Feldherrn that der Armee vorher die Stunde kund und forderte würdige Vorbereitung. Vor 11 Uhr stand die gesammte kaiserliche Armee in Parade aufgestellt, und auf das gegebene Zeichen der 11. Stunde kniete sie nieder, um den Segen des fernen Mönches zu empfangen. So oft Marco d’Aviano sich entschließen mochte, sich für immer in die Einsamkeit seines Klosters zu vergraben, konnte er doch der Bitte des Kaiserpaares und seiner eigenen

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