Grundsteinfegung lycealgebäude - melléklet, Pressburg, 1855

37 „O Himmelsvater! der du weif und weiser Als alle Menschen, dein ist die Gewalt! Laß mich um aller Kronen schönste werben; Gib mir die Tugend, oder laß mich sterben!" Und plötzlich steht in heller Strahlenfülle Er herrlich da und horckt dem Blendebild. Und schmeichelnd bricht die feierliche Stille Ein sanfter Ton, ein Ton so himmlisch mild: „„Siehst du den Bau? das ist mein rascher Wille Geh ein zu ihm, er ist dir unverhüllt. Dort ist mein Thron, dort prangen meine Kronen, Denn nur mit diesen kann ich Göttin lohnen. Wie Mancher zog erfüllt mit meinem Segen Von diesem Tempel der Zufriedenheit; Wie Mancher drängt', von mir gestählt, entgegen Die Mannesbrust der wildverworrnen Zeit; Und Manchen hat des Schicksals Schauerregen Zur Felsenfeste meinem Bau geweiht. Drum steht er fest, drum wird er ewig stehen! Sollt' nicht auch ich mit ihm zu Grunde gehen. Nicht Zeitensturm könnt' mir ihn niederschmettern Und allen Mächten stand er siegend Mann, Und alle Welt mit ihren Kriegeswettern Reicht nicht zu seiner stolzen Höh' hinan. Die weiseste von allen hohen Göttern Will dir auch weisen die erbet'ne Bahn. Und Arm in Arm dich durch die Brandung leiten, Und freudig sollst du deine Krön' erbeuten. Doch muß dein Herz dem sittlich Schönen, Hohen Auf immerdar getreu erschlossen sein; In reiner Tugend muß es hoch erlohen. So dringt es stolz in Nachruhms Tempel ein. Dem Wüsten-Sohn, dem starr Verstockten, Rohen Ist alles Schone, alles Gute Stein. Nur in der edlen, drangerfüllten Seele Glüht alles Schöne, alle Tugend Helle.

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