Grundsteinfegung lycealgebäude - melléklet, Pressburg, 1855

21 genug, an unfern Plätzen, in den verschiedenen Ordnungen und Stän­den des Lebens die Erfolge von dem zu zeigen, wozu der Grund hier an euch gelegt wurde. O lasset dieß euer'Ziel nie aus den Augen. Es begeistere euch, alle eure Kräfte auszubieten, um einst allem dem zu entsprechen, was Elternherzen, was Kirche und Vaterland von euch erwarten. Bedenket, daß Gott es ist, der zu eurer Ausbildung Zeit und Gelegenheit euch gewährt, und daß ihr ihm auch Rechenschaft darüber werdet ablegen müssen, wie ihr beides benützt und angewen­det habt. Die Jahre eurer Jugend müssen es entscheiden, was aus euch werden soll. Sie sind das in eurem Leben, was in der Natur der Frühling ist. Wer diese Zeit der Aussaat versäumt, dem bringt der Herbst keine Ernte. Eure künftige Stellung in der Welt, Alles was euch einst Lob und Ruhm erwerben, was sittlichen Werth und wahres Verdienst euch geben soll, eure ganze künftige Wirksamkeit, eure Tugend und Frömmigkeit ist nur die Frucht des Fleißes, der Anstrengung, des red­lichen Strebens, die vom Schöpfer euch verliehene Kraft zu üben und zu bilden, und Geist und Herz mit den Schätzen zu bereichern, die euch selbst glücklich und nützlich für die Welt machen können. Darum trei­bet kein bloßes Spiel mit der Wissenschaft, sondern lasset sie euch mit allem Ernste angelegen sein. Ehret eure Lehrer und Führer als eure größten Wohlthäter aus Erden, kommt ihren treuen Bemühungen mit edler Lernbegierde, mit kindlicher Folgsamkeit entgegen, aus daß sie ihr Amt mit Freuden thun und nicht mit Seufzen. Vor allen Dingen aber vergesset nicht, daß alle Einsichten und erworbenen Kenntnisse ih­ren besten Werth nur dann erhalten, wenn sie euch zu guten Menschen machen, eure Unschuld bewahren Helsen, wenn sie euern Sinn heiligen, euren Willen mit dem göttlichen vereinigen, und euch in die innige Gemeinschaft mit demjenigen führen, der allein das Menscheuherz aussülleu, in dem allein das Menschenherz seine reine, ewige Selig­keit finden kann. — Die Jahre eilen schnell dahin, es welken bald die Rosen der Kindheit, die Blüthen der Jugend. Des Lebens Mai blüht einmal nur, und nicht mehr wieder. Benützet ihn so, daß, wenn einst das Andenken des heutigen Tages wie ein schwaches Traumbild der Vergangenheit vor eurer Seele schwebt, Weisheit und Tugend eure

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