Philatelia, 1924 (10. évfolyam, 1-10. szám)

1924-04-01 / 3-4. szám

10. oldal PHIL ATELI A 3'4. szám. Die Flugpost von Przemysl. Von Prof. Dr. JOSEF KŐHEGYI. II. Am interessantesten ist wahr­lich die Stempelung der Karten. Auf denselben sind nicht weniger als drei, manchmal sogar vier Stempel zu finden. Vor allem wurde auf der Karte ein Stempel mit der Inschrift Fliegerpost Przemysl 1915 angebracht und zwar aus den Typen einer ganz primitiven Handdruckerei, mit welcher sich Kinder zu spielen pflegen. Die Inschrift lautete in zwei Zeilen ursprünglich Fliegerpost Przemysl Jänner 1915. Als sich sodann die Belagerung schon bis in den Feber hineinzog, wurde die Monatsbezeichnung Jänner ganz einfach weggelassen und es verblieb nur die Jahrzahl 1915. An diesem Stempel (mit und ohne Jännner) lassen sich vier Typen unterscheiden, was aber nur mehr für den Spezialisten Interesse hat. Daneben kommt regelmäßig noch ein zweiter Stempel vor und zwar in einem Kreise unter einem römischen IX die Zahl 54. Das alte Österreich war nämlich in zehn Postbezirke eingeteilt, die mit römischen Zahlen bezeichnet waren (Galizien war der IX. Bezirk); jedes Postamt hatte wieder eine Nummer in arabischen Ziffern. So erhielt das Postamt Przemysl die Bezeichnung IX—54. Neben diesen zwei Stempeln zieht sich in der Breite von 48—51 mm ein dritter mit der Inschrift Zensuriert hin, da­neben häufig die Unterschrift des Zensurbeamten, der hiemit zugleich ebenfalls ein Lebenszeichen von sich gab. Anfangs der Belagerung kommt häufig noch als vierter Stempel die Bezeichnung: Zur Beförderung geeignet vor. Teils ermuntert von den ersten Erfolgen, teils aber auch aus Be­sorgnis, da mehrere Flugzeuge von den Russen abgeschossen wurden, geriet das Festungs­kommando auf die Idee, zur Post­beförderung kleine Ballons zu benützen. Man bepackte dieselben mit Postsachen und ließ sie, wenn der Wind den Karpathen zu bließ, in die Höhe steigen. Der Finder wurde schriftlich gebeten, die Briefschaften gegen eine Be­lohnung von zehn Kronen beim nächsten Postamte abzugeben. Die Ballonkarten von Przemysl sind mindestens fünf- bis achtfach seltener als die Flugkarten, da ihr Los von hunderterlei Gescheh­nissen abhängig war. Vordruck und Stempel sind dieselben wie bei den Flugkarten, nur steht natürlich statt Flugpost das Wort Ball on post. Als niederste Kontrollnummer kenne ich 1508 (vom 25. Jänner 1915), als höchste 5680 (vom 25. Jänner). Es dürften etwa 8—10.000 Ballonkarten in Verkehr gelangt sein, ausschließ­lich in blauer Farbe. Der Preis einer Ballonkarte kann auf 80—120 Kc taxiert werden, Flugpostkarten stellen sich nach Farbe und Erhaltung auf 15—30 Ke. Auf manchen Briefschaften sieht man im Kreise oder Kasten den Stempel K. u. k. Fliegerkom­pagnie Nr. 11 in blauer Farbe. Die derart bezeichneten Brief­schaften wurden aus Gefälligkeit von einem Offizier oder Mann- schaftsmitgliede dieser Formation mitgenommen. In jüngster Zeit hat sich auch das Rätsel der lange verschleiert

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