Ciszterci rend Nagy Lajos katolikus gimnáziuma, Pécs, 1857

II. Was sollte der vierfache grammatikalische Unterricht an den Gymnasien Ungarns beachten, damit er den Schüler nicht verwirre und erdrücke? Von JOHANN GAU ZER. JSPie schönste Zierde des Menschen, deren Erreichung als letztes Ziel aller Jugendbildung gestellt ist, ist ein edler Character. Die Elemente der Jugendbildung sind theils humanistische, theils realistische. Die hu­manistischen sind die Sprachen mit ihren Literaturen, die realistischen sind die sogenannten Realien. Früher hat man die classischen Sprachen als den Mittelpunkt aller Jugendbildung angesehen, und darum ihnen über die übrigen Elemente ein Übergewicht beigelegt; doch der Zeitgeist hat den Realien auch eine selbst­ständige Geltung verschafft. Darum darf das Gymnasium, dessen Zweck : „Eine höhere allgemeine Bildung unter wesentlicher Benützung der alten classischen Sprachen und ihrer Literatur zu gewähren, um hiedurch zugleich für das Universitäts-Studium vorzubereiten“ COrganisations-Entwurf, pag. 14.) ist, weder in den humanistischen noch in den realistischen Elementen den Schwerpunkt des ganzen Unterrichtes ruhen lassen: sondern in der wechselseitigen Beziehung aller Unterrichtsgegenstände aufeinander. Es ist nicht zu läugnen dass die Schwierigkeiten dadurch sich vermehrt haben; doch weil sie dem Zeitgeiste zuzuschreiben sind : muss man sich beruhigen, und darauf bedacht sein: Zur Überwindung jener unwillkührlich erzeugten Schwierigkeiten geeignete didactische Mittel aufzusuchen und anzuwenden. Was die einzelnen Lehrgegen­stände betrifft; welche didactischen Mittel anzuwenden seien ? will ich unberührt lassen : der Organisations- Entwurf bietet deren Hauptmomente dar. Meine Absicht ist: über den Grammatical-Unterricht an den Gymnasien Ungarns, wo vier Sprachen als obligate Lehrgegenstände vorgetragen werden, einige didactische Mittel anzugeben, um jene allerdings begründete Besorgniss: „Diezer vierfache grammatikalische Unterricht verwirre und erdrücke den Schüler,“ wenn nicht gänzlich zu heben, vielleicht doch zu mildern. Sollte Jemand in seiner Besorgniss die eine oder die andere obligate Sprache als Lehrgegen­stand aus dem Gymnasium entfernen wollen: so möge er die wohlgegründeten Bedürfnisse der Zeit in’s Auge fassen, und er wird in Hinsicht auf die im Gymnasium vorzutragenden Sprachen sich beruhigen. Denn was die Muttersprache anbelangt, also bei den Magyaren die magyarische Sprache, dass diese gründlich und ausführlich gelehrt werde, „Dass der Unterricht in derselben nicht bloss eine sprachliche Ausbildung, sondern auch eine reiche Fülle Geist — und characterbildenden Stoffes in classischer oder mindestens tadel­loser Form darbieten, und auf den Unterricht in sämmtlichen anderen Lehrgegenständen belebend, verknüpfend, ergänzend — einwirke“ COrg.-Entw. pag. 28.) bedarf keiner Rechtfertigung. Die altclassischen Sprachen, diese unerschöpften Quellen wahrhaft humaner Bildung wurden zu allen Zeiten als fruchtbarste Elemente humaner Bildung betrachtet, ja sogar der Schwerpunkt der Gymnasialbildung ruhte ganz auf diesen Sprachen; können also wohl nicht aus der Zahl der Gymnasial-Lehrgegenstände geschieden werden. Für den Unter­richt endlich in der vierten obligaten Sprache in der deutschen spricht der Umstand: „Dass es ein Bedürfniss eines mächtigen Reiches ist: dass sich wenigstens die Gebildeten aller Theile desselben sich untereinander zu verstehen die Fähigkeit haben, welche Fähigkeit am leichtesten durch Erlernung der unter den gebil­deten Classen bereits am meisten verbreiteten deutschen Sprache gewährt wird, durch welche zugleich die Möglichkeit geboten wird: sich eine Literatur zugänglich zu machen, welche an Reichthum und Bildungskraft sowohl in ästhetischer als in wissenschaftlicher Beziehung vor vielen ausgezeichnet ist.“ COrg.-Entw. pag. 7.)

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