Gudrun Bohle: Die Frage der Läuterung im Alten Testament - Studia Theologica Budapestinensia 20. (1998)
II. - II.1. Jesaja 6,1-11
II.l.6.2.5. die Wirkungen. Als letzter Punkt der für die Läuterung relevanten Elemente bleibt noch die Untersuchung der Wirkung des vorliegenden Geschehens. 11.1.6.2.5.1. Vergebung und Sündentilgung. In erster Linie bewirkt die vorhin geschilderte Zeichenhandlung, daß die Schuld weicht und daß die Sünde getilgt wird: v. 7. Diese innere Wirkung ist eine Folge der Berührung der Lippen durch die Glühkohle und wird durch das den Akt begleitende Wort mitgeteilt. Bereits an anderen Stellen wurde deutlich, daß hier der gesamte Mensch in seiner Haltung vor Gott betroffen ist. Die Befreiung von Sünde und Schuld verändert Jesaja grundsätzlich und existentiell. Dies ist aus der Verdoppelung der beiden Begriffe Jiy und TIKOT zu sehen, die hier keine Einzelsünden bezeichnen. Was dieses Geschehen allerdings bedeutet haben mag, ist aus dem Text nicht zu entnehmen - und kann in seiner inneren Tragweite wohl auch nicht verständlich dargestellt werden. Dieser inneren Sündentilgung folgen nun aber im Text auch äußere Konsequenzen. 11.1.6.2.5.2. Teilhabe an der göttlichen Versammlung. Unmittelbar an das Wort des Seraphen anschließend sehen wir in V.8., das heißt also mit Beginn des dritten Teiles, daß Jesaja, der eben noch in v.5. sich in Todesangst wähnte, die Stimme des Herrn hört und sich davon persönlich angesprochen fühlt. Dies ist umso erstaunlicher, als dies in dem verwandten Text von 1 Kön. 22,19ff. nicht der Fall ist. Micha hört und sieht zwar auch den himmlischen Thronrat, aber er ist selber nicht daran beteiligt. Der Text erweckt den Eindruck, daß Jesaja mitten in der Beratung ist und direkt vor Jahwe steht, während es doch vorher noch eine unendliche Distanz war. 11.1.6.2.5.3. freiwillige Übernahme des Auftrages. Es ist nun Jesaja, der aktiv wird. Ohne direkt angesprochen zu sein, antwortet er auf die Frage Gottes mit der spontanen Bereitschaft: V.8.C: 'OTW "MH "Hier bin ich, sende mich!" 11.1.6.2.5.4. Aussonderung aus dem unreinen Volk. Und schließlich bewirkt diese Entsündigung ein anderes Verhältnis zum eigenen Volk. In v.5. war es für Jesaja ganz selbstverständlich, daß er Glied eines Volkes mit unreinen Lippen ist. 66