Folia Theologica 22. (2011)

Rokay Zoltán: Die Religion und die Religionen bei. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling während seiner zweiten Tätigkeit in München (1827-1841)

98 Zoltán ROKAY reits duchaus den Geist der positiven Philosophie, d. h. des Realidea­lismus, den Schelling im Gegensatz zu der bisherigen, anfangs dogma­tischen, dann seit Kant kritischen sogenannten rationalen aber nega­tiven Philosophie und zur Überwindung der in dieser unversöhnt gebliebenen Gegensätze des Realismus und subjektiven Idealismus be­gründen will. Die rationale Philosophie ist reine Begriffswissenschaft, Apriorismus im strengen Sinne Kants, also eine Wissenschaft, die un­mittelbar auf dem,reinen Denken' beruht, jene,erste Philosophie' oder Prinzipienlehre des Aristoteles, die erst in Kants Kritik der reinen Ver­nunft zum vollen Bewusstsein ihres Wesens und damit auch ihrer not­wendigen Grenzen gelangt ist."14 Für Schelling genügt diese „negati­ve", rein apriorische, bloss die Möglichkeit erreichende Philosophie nicht. Sie soll durch die positive „ergänzt" werden, welche nicht bloss die Möglichkeit, sondern die Wirklichkeit erreicht, sie erreicht durch die Ekstase das Sein vor aller Vernunft.15 „Der wahre Gegenstand der positiven Philosophie ist Gott. Die positive Philosophie will aber nicht den Begriff Gottes konstituieren' (...) sondern a posteriori, d. h. auf Grund der Erfahrung (Offenbarung) erkennen."16 Für die weitere Entwicklung der Philosophie der Offenbarung - der Religion, und der Mythologie, ist der Begriff des „Prozesses" bei Schel­ling von Bedeutung, welchen man ebenso in den Potenzen-gedanken der Weltalter vorgebildet vermuten, und in den Münchener Vorlesun­gen von 1831/32 entwickelt vorfinden kann. In diesen letzteren lesen wir: „Die Momente des Mythologie erzeugenden Prozesses sind nur ver­schiedene Momente der natürlichen Wirkung der vermittelnden Po­tenz."17 In diesem Sinne kann Schelling behaupten: „Die Lehre von den Potenzen in ihrer gegenseitigen Ausschließung ist schon genügend zu Erklärung der Mythologie - zum Verstehen der Offenbarung ist aber schlechterdings jene höhere Steigerung notwendig."18 14 Vgl. Anm. 12. 7ff. 15 Vgl. Coreth-Ehlen-Schmidt, Philosophie des 19. Jahrhunderts, 47. 16 Vgl. Anm. 12. 227. 17 Schelling, F. W. J., Urfassung der Philosophie der Offenbarun, Hamburg 1992. 482. 18 Ebd. 154 f.

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