Folia Theologica 22. (2011)
Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse
RECHTLICHE, RELIGIONSPHILOSOPHISCHE ... 83 genommene Beichte und ihr richtiges Ausüben bewahrt einen vor dem vielköpfigen Drachen des Selbtsbetrugs, denn niemand kann in seiner eigenen Angelegenheit Richter sein. So „verheimlicht, beschönigt und entschuldigt sich der Mensch ständig; mit einem erstaunlichen Erfindungsvermögen und mit sprechenden Wendungen kann er seine Sünden vermindern und ihre Schärfe, die ihr Gewissen verletzt, dämpfen. Nemo judex in causa sua, und auf gleiche Weise nemo medicus in sua infirmitate; wir sollen uns vor uns selbst fürchten und unser Gewissen einem anderen aufdecken, damit er sich vollkommen unvoreingenommen entscheiden kann und im Spiegel seines Urteils uns das wahre Antlitz zeigt".24 All davon ist nur der göttliche Befehl der Beichte zu verstehen. Aus den oben erwähnten ist es klar, warum die Sünde mit der Gottheit zu tun hat, und warum eben dort Charakterriesen geboren werden, wo die reine Liebe zu Gott die Grundlage der Reue ist, beziehungsweise wo und auf welche Weise Heilmittel für den seine Sünde und sein Schuldgefühl loswerden wollenden Menschen zu finden und zu erhalten ist. Das Problem hat auch innerhalb der Religion zum mit sündenvergebender Macht ausgestatteten Priestertum, als zu bevoll- mächigten Vertretern Gottes geführt. Aus den oben erwähnten können wir auch bezüglich dessen reichliche Anhaltspunkte bekommen, dass das Verlangen des seine Sünde loswerden wollenden Menschen eine natürliche psychologische Erscheinung ist, die einen speziellen natürlichen Vorgang hat. Falls der Mensch diese Gesetzmässigkeiten verachtet, wird ihm keine Sündenvergebung und kein wahrer geistiger Frieden gegeben, sondern ganz im Gegenteil: zum Mittelpunkt von seelischen Krankheiten werden die Sünden sein (sowohl äussere als auch innere, sowohl bekannte als auch verborgene Sünden), für welche der Mensch kein Heilmittel sucht, mit Hilfe dessen sie wirklich aufgehoben werden können, und die Seele seinen Frieden wiederbekommen kann. 24 Vgl. Prohászka, O., A keresztény bűnbánat és bűnbocsánat, 169.