Folia Theologica 22. (2011)

Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse

80 Géza KUMINETZ Jeremias und den Psalmen von David die Bitterkeit der Selbstanklage und Schmerzen aus. Aber siehe den Pönitenten: er ist von Angst be­herrscht. (...) Das Gesetz der Furcht hat dem Gesetz der Liebe den Platz noch nicht übergeben. In der menschlichen Seele ist das edelste Gefühl, die Liebe für das ewige Vollkommene und die ewige Güte noch stumm. (...) Wer seine Sünde aus Liebe bereut, bereut sie aus einem edleren Grund, als derjenige, der durch die Angst bewegt ist. (...) Im Besitz der reinen Liebe von Gott bereuen wir die Sünde aus­schliesslich darum, weil wir dadurch Gott, unseren Herrn verletzt haben, der die ewige Güte ist. Die Pönitenz, die ihre Mutter die reine Liebe nennen kann, steht von allen an erster Stelle, denn die reine Liebe steht am höchsten unter den Tugenden und auf diese Weise hebt sie die Seele des Menschen auf den höchsten Gipfel. Die Entstehung des Charakters ist ohne Selbsterkenntnis unvorstellbar, die Busse soll also den Gläubigen zu einer richtigen und sicheren Selbsbeurteilung führen."19 Und der Geist dieser Urteilskraft ist der Beweggrund, das heisst das Ziel. In der Beurteilung und Auswahl dieses Ziels oder der zum Ziel führenden Mittel kann sich die Vernunft irren, sie bezeichnet also ein Ziel oder Mittel, das eine Sünde und sündenhaft ist, es kann je­doch nie Vorkommen, dass jemand seine böse Absicht als gut betrach­tet und demzufolge sich selbst für unschuldig hält. Dieser Beweggrund wurde „nur von der jüdischen Religion berücksichtigt, und nur bei ihr sind auch solche anderen Unterscheidungen zu finden, die das mora­lische Wesen der Handlung modifizieren. Spezielle Anordnungen be­stehen ausser der Beurteilung des Beweggrundes bei den Sünden, die aus Unkenntnis, Bosheit oder Schwachheit begangen werden. Es wur­de als ein erschwerender Umstand betrachtet, wenn jemand seine amt­liche Würde missbrauchte und so gesündigt hat, wenn die Sünde durch verwandtschaftliche Beziehungen begangen wurde, wenn die Sünde zwischen nahen Verwandten oder zwischen dem Herrrn und seinem Diener vorgekommen ist. (...) Diese moralische Beurteilung setzt in die Tiefe der menschlichen Handlungen eine grosse Einsicht voraus und bedarf persönlicher Behandlung. Die auf den Pönitenten ausgeübte erziehende Wirkung wird natürlich auch dementsprechend sein. Die wirklich erfolgreiche und regelmässige Erziehung soll sich auf das ganze Gebiet der Moralität erstrecken, also nicht nur auf die 19 Vgl. Slachta L, A penitenciatartás lélektani megvilágításban, 35-39.

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