Folia Theologica 22. (2011)

Kuminetz Géza: Rechtliche, religonsphilosophische und psychologische Gesichtspunkte der Busse

76 Géza KUMINETZ mussten von jemandem genommen werden. Aufgrund dessen ist es zu behaupten, dass „die Vernunft kraft der mit ihm geborenen Fähigkeit einen auf die Kenntnis des Schöpfers lenkt, sich vom Existieren der natürlichen Gesetze überzeugt und das Gewissen beweist, dass der menschliche Wille mit den Gesetzten übereinstimmen soll. (...) Die Vernunft sagt: Die moralische Ordnung ist verletzt worden, die mora­lische Ordnung muss wiederhergestellt werden, und ich soll büssen. Der Wille antwortet: Ich will büssen; und er tut auch so. (...) Das ist die klare und unfehlbare Stimme unseres besseren Ichs, das den Herunter­gekommenen zum Aufstehen auffordert, das ist eine Tatsache, die auf den tiefsten, stärkesten und gesundesten psychologischen Grundlagen beruht".11 Dementsprechend ist die Reue die Hoffnung dessen, dass es Vergebung gibt, das heisst das Büssen einen Sinn hat.11 12 2. Die Busse und der Charakter Bei der Busse, auf dessen Notwendigkeit uns die Stimme des Gewissens aufmerksam macht, ist der natürliche Charakteranpsruch des Menschen zu finden, der eigenlich nichts anderes ist, als die Sehn­sucht nach dem Leben laut den Gesetzen, die Sehnsucht nach der Wiederherstellung der verletzten moralischen Ordnung. Die Charak­terfestigkeit veranlasst nämlich den Menschen mit einer gesunden Gesinnung, dass er, wenn er jemanden verletzt hat, die beleidigte Person versöhnen soll. Wenn er Schäden verursacht hat, muss er sie wiedergutmachen, wenn er Schulden hat, muss er sie ausgleichen.13 Diese Bestrebung können wir ein Charaktergefühl, ein natürliches Gesetz der Seele nennen, weil „alles, was im Menschen charakterfest ist, bedeutet auch Kraft und Gesundheit, und alles, was charakterlos ist, ist zur gleichen Zeit mit geistiger Dekadenz, Verirrung, Schwäche und Krankheit verbunden. Der seelisch gesunde Mensch sehnt sich 11 Vgl. Slachta I., A penitenciatartás lélektani megvilágításban, 25-26. 12 Vgl. Szent Ambrus, A kötelességekről. A bünbánatról (Erkölcsteológiai Forrá­sok 2) [Sankt Ambrosius, Von den Pflichten. Von der Reue. (Moraltheologi­sche Quellen 2)], Budapest 2004. 232. 13 Heutzutage scheint sich dieser gesunde Trend zu ändern, was wir witzig so ausdrücken können, dass sich anstatt des früheren Prinzips res clamat ad dominum heute das Prinzip dominus clamat ad res durchsetzen will.

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