Folia Theologica 22. (2011)

Kránitz Mihály: Der Pluralismus der Religionen aus dem Gesichtspunkt der Mission

54 Mihály KRÁNITZ einer ekklesiologischen Anschauung, nach der das Heil für die men­schlichen Wesen ausschliesslich durch den in der kirchlichen Gemein­schaft bekannten und ausgedrückten Christusglauben möglich ist. Für viele Theologen ist in unseren Tagen nicht nur die kirchenzentrische Auffassung sondern sogar selbst die christozentrische Auffassung un­haltbar. Sie halten Jesus Christus für die Menschheit nicht mehr für einen Erlöser, dessen Erlösersmacht auch ausserhalb der Grenzen der christlichen Kirche wirkt. In diesem Falle lehnen sie nicht nur den Gedanken der Zugehörigkeit zu einer fürs Heil notwendigen Kirche ab, sondern auch die universelle Vermittlung von Jesus Christus in der Ordnung des Heils.40 Die Aufteilung der Meinungen über die Religionen in vier Katego­rien erscheint auch bei anderen Verfassern, sich mehr oder weniger den vorherigen Gesichtspunkten anpassend. Nach dem Standpunkt von Paul F. Knitter (1939-) können die folgenden Modellen unterschie­den werden: 1) das konservative evangelikalische Modell (es gibt eine einzelne wahre Religion); 2) das verbreiteste protestantische Modell (jedes Heil kommt von Christus); 3) das katholische geöffnete Modell (unterschiedliche Wege, Christus ist die einzige Norm); 4) gotteszent­rische Modell (der Mittelpunkt von verschiedenen Wegen ist Gott).41 In den Ansichten von Knitter erscheinen die Kategorien von Helmut Richard Niebuhr (1894-1962) bezüglich Christus und der Kultur: Christus gegenüber den Religionen, in den Religionen, über den Reli­gionen und mit den Religionen.42 Ein anderes Mal folgt Knitter einer anderen Aufteilung: kirchenzentrischer Exklusivismus; kirchenzentri­scher Inklusivismus oder konstitutive Christozentrizität; normative Christozentrizität oder Christus über den Religionen; dialektische Got- teszentrizität oder in Gott sind die verschiedenen Religionen Partner. Hans Küng (1928-) arbeitete ebenfalls vier grundlegende Bezeich­nungen in der Aufteilung der Religionen: keine einzige Religion ist wahr, nur eine einzige Religion ist wahr; jede Religion ist wahr; es gibt 40 Vgl. Dupuis, J., Le débat actuel sur la théologie des religions, in Vers une théolo­gie chrétienne du pluralisme religieux, Paris 1997. 276. 41 Vgl. Knitter, P., No Other Name? A critical Survey of Christian Attitude to­wards the World Religion, New York 1985. Siehe noch: Cobb, J. B., Trans­forming Christianity and the World a Way beyond Absolutism and Relativism, New York 1999. 42 Niebuhr, H. R., Christ and Culture, New York 1951.

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