Folia Theologica 22. (2011)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.

INKULTURATION 145 Auffassung der menschlichen Grundrechte, die sich geschichtlich auf den Freiheitskampf der USA, die Französische Revolution und die Grunddoku mente der Vereinten Nationen stützt, in Wirklichkeit aber die Verwirklichung und Durchsetzung von den aus der christlichen Anthropologie stammenden ethischen Normen und Werten bedeutet.39 Im Fall der idealen Modelle ist die Situation schon anders. Damit die christlichen „idealen Modelle", d. h. unser Glaube inkulturiert wird, soll man den langen Weg der Bekehrung und Bildung beschreit­en. Wie die Kirche (theoretisch) in die Welt der Kultur eintritt, so sollen auch die greifbaren Modelle der Weltanschauung der Gruppe in den christlichen Glauben eintreten. Das ist keinesfalls ein automatischer Schritt, denn die ethisch-menschlichen Werte des Evangeliums können von der Kultur auch so aufgenommen werden, dass sie nichts vom christlichen Glauben hören will. Dies geschieht heutzutage in vielen Ländern der Erde, wo man viel aus der Quelle des Evangeliums her­vorgehendes Positives (z. B. menschliche Grundrechte) aufnimmt, ohne auf die Quelle selbst zurückgreifen zu wollen. Die Frage ist, ob die Kirche und der kirchliche Glaube noch eine effektiv anziehende und erziehende Kraft haben.40 Wenn man die Ebene der Postulate in Betracht zieht, muss man fest­stellen, dass die „Kommunikation" mit ihnen nur auf indirekte Weise geschehen kann und deswegen ergeben sich viele Schwierigkeiten. In Bezug auf die normativen fundamentalen kulturellen Postulate wird klar, dass es vollkommen ungenügend ist, einer Kultur die mora­lischen Gesetze des Christentums weiterzugeben, ohne sie in ihrem Tiefsten zu bekehren. Das würde zu einer gesetzeszentrierten Mentali­tät führen, in der man die Vorschriften der Glaubensgemeinschaft ein- halten muss, ohne sich mit ihnen innerlich identifizieren zu können. Das ist kein theoretischer Casus, sondern das Kreuz von vielen Lokal­kirchen, wo die christliche Moral mit der Mission weitergeben wurde, aber die Umwandlung der normativen fundamentalen kulturellen Postulate bis heute nicht erfolgte. Dieses Thema wurde vor allem in 39 Über die Rolle des Christentums in der Entwicklung des europäischen Geistes und der kulturellen Werte siehe Hume, B., Rifare TEuropa. II Vangelo in un continente diviso, Città del Vaticano 1996. 5-6,12-17. 40 Über die Rolle des Glaubens in der kulturellen Erziehung des Christen, siehe Blanco, A. - Cirillo, A., Cultura & Teológia, 67-76.

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