Folia Theologica 22. (2011)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.

INKULTURATION 135 An dieser Stelle möchten wir wieder auf die Schwäche der Inkultu- ration-Inkarnation-Analogie aufmerksam machen: Die Gleichstellung von Christus und Kirche bzw. von Christus und der von der Kirche verkündeten Botschaft bleibt weiterhin bestreitbar. Christus hat diese gottmenschliche, das ganze Weltall umfassende Communio in der Kraft seiner absoluten Vollkommenheit und grenzenlosen Ewigkeit geschaf­fen, aber die Kirche besitzt keine solche Universalität. Was hier im Mit­telpunkt der Kritik steht, ist die Auffassung der Katholizität der Kir­che, die irgendwie mit dem universalen Christus in Parallele gestellt wird. Y. Congar beschäftigt sich mit diesem Thema in einem Vortrag mit dem Titel „Das Christentum als Glaube und als Kultur"10 11, den er in Rom 1975 gehalten hat und der später als Zeitschriftenartikel in mehreren Sprachen erschienen ist. Der französische Theologe stellt sechs Thesen auf, von denen die ersten zwei eben diese Frage, nämlich die Frage der Universalität und der Partikularität handeln. Die erste These besagt, dass der Glaube nichts anderes sei als die menschliche Antwort auf die Gabe Gottes, die den Menschen in seine Partikularität erreicht, doch ständig größer ist als diese partikulare Vielfalt. Diese Gabe Gottes ist wie ein inneres Prinzip im Leben der Kirche11, das in jeder Zeit, in jed­er Kultur das gleiche bleibt. Das ist dann das Fundament der Einheit der Kirche. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Die zweite These lautet nämlich, dass der Mensch auf die Gabe, die Offenbarung Gottes immer in den Koordinaten der Räumlichkeit und der Zeitlichkeit, in einem bestimmten Kontext als konkretes Subjekt antwortet. Deshalb ist die Offenbarung eine „universale Botschaft in partikularer Form"12. Mit dieser 10 Congar, Y., Christianity as Faith and as Culture, in EAPR 3 (1981) 304-319, 316. 11 Paul VI. meint, dass dieses integrierende und vitale Prinzip, das die Teilkir­chen zu lebendigen Gliedern der Universalkirche macht, der Glaube und die Gnade seien - Siehe Paul VI., La pedagógia del senso comunitario [Udienza generale] (2 iun. 1970): Insegnamenti di Paolo VI VIII (1970) 606-609, 608: „Aggiungiamo anche la menzione delle Chiese locali, che non sono frazioni staccate e autonome nell'unità della Chiesa universale, ma sono porzioni aderenti, sono membra vive, sono rami fiorenti di lei, dotate di propria vi­talité emanante da un unico principio di fede e di grazia." 12 Ibid. 306.

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