Folia Theologica 22. (2011)
Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.
INKULTURATION 131 1. Das Glaube-Kultur-Verhältnis wird innerhalb eines metaphysisch inspirierten Systems konzipiert. 2. Daher ergibt sich als Methode der Kulturanalyse die Deduktion: Im Lichte der kulturunabhängigen, universalen, metaphysisch konzipierbaren Aspekte werden die kulturellen Erscheinungsformen beurteilt und als gut oder ungut bewertet. So wird klar, dass die Inkulturation ein konzeptuelles Fundament hat, das aus einer bestimmten metaphysischen Vision entstanden ist und durch eine deduktive Methode aktiviert wird. Hier liegt der Kern jeder Kritik: Muss man die Existenz dieses Fundamentes ohne weiteres akzeptieren? Ist die Überzeugung berechtigt, dass das Glaube-Kultur- Verhältnis eine universale, kulturunabhängige Basis hat? Mit anderen Worten: Wird die Voraussetzung, im Prozess der Inkulturation absoluter Verhaltensnormen und allgemeingültiger theoretischer Begründung gemäß vorzugehen, erfüllt, kann sie überhaupt erfüllt werden? Die theologische Antwort versucht diese Frage dadurch zu vermeiden, dass sie in der Inkulturation nicht ein rein praktisches Modell sehen will, sondern vielmehr die materielle Verwirklichung und Ausfaltung der Theologie der Fleischwerdung Gottes. In Beziehung zu Christus, dem Offenbarer und zugleich der Fülle der Offenbarung, wird der unveränderliche wesentliche Kern der christlichen Botschaft aufgezeigt. Die Inkulturation sollte in Analogie zur Inkarnation die Grenzen der zur Zeit nicht antwortfähigen ethisch-philosophischen Diskussion überschreiten. Gerade dieser Überschritt wird zu einem kritischen Punkt des Paradigmas. A. Shorter macht uns aufmerksam3, dass diese theologische Analogie irreführend und deswegen gefährlich sein kann. Es ist wahr, dass in ihr die „cristologia dal basso", die von unten ausgehende Christologie auf eine spezielle Weise zur Geltung gebracht wird, doch bleiben drei Aspekte dieses Parallelismus fraglich: 3 Shorter, A., Toward a Theology of Inculturation, a.a.O., 80-82; vgl. auch Ama- fili, L., Inculturation, 182ff.