Folia Theologica 21. (2010)

Fonk Peter: Sich dem unbegreifbaren Gott aussetzen. Sören Kierkegaards Kritika an der Hegelschen Trinitätsspekulation

174 Peter FŐNK solch kritischer Einwände eine Überlegung zu Gunsten Hegels nicht außer Acht lassen. Wenn man nämlich an der Möglichkeit einer natür­lichen Theologie festhalten will, ist es legitim, die göttliche Trinität mit dem Dreischritt der Logik in Beziehung zu setzen. Bestenfalls aber kann diese Logik abbildhaft etwas darstellen. Als sich selbst erfassen­des Denken wäre sie dann aber im Höchstfälle das Nachdenken einer in Gott seit ewig vorgedachten Idee. Der Höchstfall erstreckt sich aber auf die konnaturale Weise freier Selbstmitteilung der ewigen Trinität in der Ökonomie.13 Hegel hat diese Verhältnisse auf den Kopf gestellt: Wollte man ihm folgen, so bestimmt die ökonomische Trinität - vorausgesetzt, seine Logik darf sich zu Recht als solche betrachten - die immanente. Damit ist ein Grundmotiv des bleibenden Ressentiments Kierkegaards gegen­über Hegel aufgedeckt. Er selbst bezieht es konkret auf einen etymolo­gischen Gewaltakt der Hegelschule. Letztere wollte beweisen, dass die Logik Hegelscher Provenienz die eigentliche Lehre vom Logos sei.14 Das ist aber keinesfalls ein harmloses Wortspiel. Es bildet vielmehr den Auftakt zu einer Gott-ist-tot-Philosophie, wie sie Nietzsche prokla­mierte.15 Diese Gefahr hat Kierkegaard vorausgesehen. Mit seiner Kri­tik, in der Logik werde das Negative als treibende Kraft gebraucht, will er keineswegs dem Chor des philosophischen Gelehrtenstreites eine weitere Stimme hinzufügen. Vielmehr bereitet er sein prinzipielles Be­denken vor, in der Hegelschen Logik werde die Souveränität Gottes abgeschafft. Denn während für Schelling außer Zweifel stand, dass das Absolute sich über jeden konstitutiv notwendigen Gegensatz erhebt, vertrat Hegel die Auffassung, dass die Negativität ein nicht aufzuge­bendes Moment des Absoluten sei. Mit Schelling bekommt Kierkegaard gegen Hegel recht. Denn wel­cher Art wäre dieses Absolute, das zur Bestimmung seiner selbst noch 13 Im Zusammenhang damit verdient die ebenfalls kritische Einwendung von H. U. V. Balthasar Beachtung: „Hegels durchaus ernste Absicht, die Trinität Gottes zum zentralen Satz seiner theologischen Philosophie zu erheben - was er unnachsichtig gegenüber der Vergangenheit (Aufklärung, Kant) und Gegenwart (Schleiermacher) bis zum Ende durchzieht - droht auf­grund seiner universal angewandten dialektischen Methode in einen Mo­dalismus umzuschlagen." von Balthasar, H. U., Theologik, III, Basel 1987. 40. 14 Vgl. BA 450: Dort ebenso Wiss. Komm. 705. 15 Vgl. Löwith, K., Von Hegel zu Nietzsche. Der revolutionäre Bruch im Denken des 19. Jahrhunderts, Hamburg 19787

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