Folia Theologica 21. (2010)
Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas I.
INKULTURATION MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN ... 131 in die Kultur - erfordert, dass die Kirche eine tiefgehende Kulturanalyse betreibt, in der sie die „anthropologische Distinktion“ von Gutem und Ungutem ausübt.26 Dazu gehört es natürlich, dass man zwischen Kultur und Religion (Glauben) distinguiert.27 28 Diese Aufgabe wird erst erfüllt, wenn die Kirche die „reife Freiheit im Geist“™ sich zu eigen macht und mit einer aus dieser Freiheit stammenden Haltung und gleichzeitig mit einem tiefen Respekt29 den Kulturen begegnet. Diese Haltung der Kirche muss vor allem von der Annahme des kulturellen Pluralismus gekennzeichnet sein - unabhängig davon, ob man ihn für einen positiven Wert oder eine negative Gegebenheit hält30 31. Ein purer Respekt reicht aber noch nicht aus, denn er kann zu einem negativen Relativismus und schlussendlich zu Indifferenz führen. Der Pluralismus muss auf Grund der fundamentalen Einheit der Menschheit gedeutet werden. Aber die Einheit bedeutet nicht nur ein Prinzip, sondern auch einen Zweck: Das Ziel der Mission ist die Bewahrung und Erschaffung einer Gemeinschaft, einer Communio aus dem Glauben, im Sinne der Worte des ersten Johannesbriefs: „Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt, und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus."3' Das bedeutet auch, dass man, noch bevor man sich 26 Siehe Carrier, H., Inculturación, in Diccionario de la cultura para el análisis cultural y la inculturación, Estella 1994. 278-288, 283-286. 27 Siehe ibid.; Amaladoss, M. M., Öltre Vinculturazione. Unità e pluralitá delle chiese, Bologna 2000. 82f; Dhavamony, M., Christian Theology of Inculturation, 32-37. 28 Amaladoss, M. M., Inculturation and Tasks of Mission, 124. 29 Siehe Carrier, H., Inculturación, 283-286. 30 Hier wird nochmals klar, wie verschieden man das Faktum der kulturellen Pluralität deuten kann. Wir möchten an dieser Stelle mit denen übereinstimmen, die behaupten, dass diese Vielfalt im Lichte des Pfingstmys- teriums nicht aufgehoben und die ursprüngliche Einheit wiederherstellt wurde, sondern dass sie in der Kirche Christi eine neue Perspektive bekommen hat. Dazu siehe Panikkar, R., El mito del pluralisme. La Torre de Babel. Una meditáción sobre la no violentia, in Panikkar, R., Sobre el dialógo intercul- tural (Aletheia 15), Salamanca 1990. 15-70. Waldenfels, H., Kontextuelle Fundamentaltheologie, Paderborn - München - Wien - Zürich 20003. 67. Waldenfels, H., Von der Weltmission zur Kirche in allen Kulturen, in Gordan, P. (Hrsg.), Die Kirche Christi. Enttäuschung und Hoffnung, Graz 1982. 303- 350, 334-350. 31 ljoh 1,3.