Folia Theologica 21. (2010)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas I.

128 Csaba TOROK funden10 11 12 13, und er wurde später 1962 von J. Masson SJ auch gebraucht, indem er als Zweck der Mission nichts anderes festlegte als „einen in- kulturierten Katholizismus in einer polymorphen Gestalt"". Diese kulturelle Vielfalt sei - nach J. Masson - ein evidentes Postulat der Katholizität der Kirche, das durch die „Naturalisierung der Wahrheiten"n und den „Gesichtspunktswechsel"n zu verwirklichen ist. Dieser ganze Vorgang muss auf den Prinzipien des interkulturellen Dialogs basieren.14 Der französische Jesuit stellt die Methodologie dieses Prozesses in den fol­genden Schritten dar: wahrnehmen - annehmen - umgestalten - für das Heil der Menschen15. Der Triumphzug der Inkulturation, die als Fleischwerdung des Glaubens in der Kultur konzipiert wurde, hatte in der Theologie seinen Anfang in den 1970er Jahren.16 Die sehr intensive Zeit des Pontifikats von Johannes Paul II. bedeutete die systematische Erarbeitung des 10 P. Charles spricht bereits in 1953 von „Inkulturation", aber dieses Wort be­deutet bei ihm noch das gleiche, wie in der anthropologischen Literatur die „Enkulturation": „L'inculturation ne concerne pas seulement quelques détails du comportement; elle prend tuote la vie de l'individu, la fusionne avec celle du groupe auquel il appartient et détermine parfois des réactions psycho-physiologiques qui paraissent instinctives." - Charles, P., Missiologie et Acculturation, in NRTh 75 (1953) 15-32. Wie die katholische Theologie zum Konzept der Inkulturation gelangt ist, wird beschrieben in Gadille, J. (Hrsg.), La mutation des modèles missionaires au XXe siècle. Expériences d'inculturation chrétienne. Cours de mis­siologie historique, Paris 1984. 11 Masson, J., L'Église ouverte sur le monde, in NRTh 84 (1962) 1032-1043,1038. 12 Ibid. 1038. 13 Ibid. 1039. 14 Vgl. „Point seulement, avec quelque orgeuil, offrir aux autres nos richesses, même nos richesses d'Église; mais, avec quelque humilité, désirer, accueillir les leurs, l'esprit et le cœur ouverts. Forme culturelle, forme psychologique d'une Église ouverte au monde." - Ibid. 1040. 15 Siehe ibid. 1042-1043. 16 In der Theologie vom Paul VI. finden wir diesen Terminus noch nicht exakt und explizit auf, doch das Phänomen wurde öfters erörtert und ausgelegt. Auf den Spuren seiner lehramtlichen Veröffentlichungen wurde das Mo­dell der „Inkulturation" entwickelt, indem der Papst öfters von der Assimi­lation des Wesens des Evangeliums und von seiner Transposition in die Ausdrücke der lokalen Kultur gesprochen hat. Diesbezüglich siehe Ma- nathodat, ]., The Inculturation of the Local Churches according to the Teaching of Pope Paul VI, Roma 1984. 76-77. Dieser Prozess geht das ganze christliche und kirchliche Leben an, auf besondere Weise die Theologie, die Liturgie und die Katechese (Ibid. 80-81). Dieses Thema ist untrennbar von dem Dia­

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