Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 247 4.1 Griechische Theologie: Idee des Reinigungsfeuers nach dem Tod Eines der wesentlichen Elemente des späteren Glaubens der Kirche an das Fegefeuer finden wir in der Theologie des Clemens von Alexandrien, der seine Lehren im Kontext der antignostischen Polemik entfaltet hat. Die Gnostiker haben einerseits die Gotteserkenntnis vom moralischen Leben, von der Lebensheiligkeit her aufgelöst, andererseits haben sie durch eine Fehldeutung der paulinischen Lehre vom fleischlichen und geistigen Menschen die Christen in die Klassen von Geistige (pneumatikoi), Sinnliche (psychikoi) und Fleischliche (sarki- koi, somatikoi) eingeteilt, wobei sie behaupteten, dass es keinen Wechsel von einer Gruppe in die andere gebe. Die Geistigen/Gnostiker verfügen von ihrer Natur her über vollständige Gotteserkenntnis - und sie gelangen sicher zum Heil; die Gotteserkenntnis der Sinnlichen ist gemischt mit Irrtum und ist mangelhaft - ob sie zum Heil gelangen, ist ungewiss; die Heischlichen verfügen über keine wirkliche Gotteserkenntnis und gelangen sicher nicht zum Heil. Nach der Lehre des Valentinus kann das Feuer des Gerichtes von 1 Kor 3,12-15 den gnos- tisch/geistigen Menschen nicht erfassen, weil das Wasser der Taufe und das Pneuma ihn davor bewahrt; es erfasst aber schon den sinnlichen und fleischlichen Menschen, und zwar als eine heilende bzw. vernichtende Kraft. Als Antwort auf die Lehren des Valentinus deutete Clemens mit der griechischen Idee der „paideia" (Erziehung) das universale heilbringende Wirken Gottes, und wir können seine in diesem Rahmen entwickelte Theologie mit den folgenden Thesen zusammenfassen24: (1) Da die, die ein reines Herz haben, Gott sehen können, setzt die Gotteserkenntnis Lebensheiligkeit, moralische Vervollkommnung und Reue voraus. (2) Gegenüber dem gnostischen Determinismus muss man festhalten, dass für alle Christen ein allmähliches Wachsen der Lebensheiligung und Gotteserkenntnis möglich und ntowendig ist. (3) Das setzt das läuternde, erziehende und lehrende Wirken dieses Paidago- gos-Logos, bzw. moralische Anstrengungen des Christen, seine Reue 24 Vgl. Vanyó, L., Az ókeresztény Egyház és irodalma, (Die altchristliche Kirche und ihre Literatur) in Óí I, Budapest. 1980, 384-397. Schmöle, Kl., Läuterung nach dem Tode und pneumatische Auferstehung bei Klemens von Alexandrien, Münster 1974.