Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

224 PUSKÁS, Attila Der kirchliche Glaube im Zusammenhang mit der Läuterung nach dem Tod und die theologische Schlussfolgerung daraus wurden auch durch die Liturgie der Alten Kirche und deren Gebetspraxis bestätigt. Auf der Basis der Lehre von 2 Makk 12,46 hat die Kirche von Anfang an in ihrer Liturgie der Toten gedacht, für sie das Messopfer darge­bracht und Fürbitte gehalten. Die Kirche hat im Westen und im Osten geglaubt, dass die Gläubigen hier auf Erden durch das Aufopfern des Heiligen Messe, durch fürbittendes Gebet, durch Almosen und Fasten den Verstorbenen helfen können. Entsprechend dem Zeugnis des Neuen Testamentes hat die ganze Kirche bekannt, dass die Auferste­hung Christi die Macht des Todes gebrochen hat und dass die Einheit mit Christus und - durch Ihn - die Einheit der Glieder seines mysti­schen Leibes stärker sind als der Tod (Röm 8,35-39; 14,7-9; 2 Kor 5,9). Der Tod beendet nicht die Gemeinschaft der Heiligen in Christus, so kann und muss die auf Erden pilgernde Kirche den verstorbenen Brü­dern und Schwestern helfen. Im Westen drücken die alten Grabin­schriften den Glauben an die Wirksamkeit des fürbittenden Gebetes für die Verstorbenen aus. In den Katakomben in Rom sind die Gebete der lebenden Angehörigen zu lesen, die von Gott „Frieden und Linde- rung/Kühlung" (pax et refrigeratio: spiritum tuum Deus refrigeret...) für die Verstorbenen erbitten; oder sie drücken den Wunsch des Ver­storbenen selber aus, dass die am Leben Gebliebenen für ihn beten.7 Die Paulusakte, die um die Mitte des 2.Jahrhunderts entstanden sind, spiegeln ebenfalls die Praxis der alten Kirche, als Thekla für die ver­storbene Falconilla betet, dass sie Anteil am Schicksal der Gerechten haben möge. Eines der frühesten schriftlichen Zeugnisse dieses Glaubens sind die Martyrerakte der heiligen Perpetua, die 203 in Karthago den Martyrertod erlitten hat. Wir lesen darin, dass die heilige Frau, die im Gefängnis auf ihre Hinrichtung wartet, in einem geheimnisvollen Traum sieht, dass ihr Bruder, der jung verstorbene Dinokrates auf die Wirkung ihres Gebetes hin von seinen Leiden befreit wird.Tertullian berichtet, dass eine Heilige Messe für die Verstorbenen am Todesstag aufgeopfert wurde. Auch er selbst empfiehlt den Witwen, dass sie im Frieden für ihre verstorbenen Ehegatten beten sollen, um Erfrischung 7 Stöhr, Das Schicksal der leidenden Kirche und die Hilfsmöglichkeiten der pil­gernden Kirche, in: Die letzten Dinge, hrg. Fr. Breid, Steyer 1992,178.

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