Folia Theologica 18. (2007)

Imre Koncsik: Synergetische Hermeneutik - Grundlagen und Perspektiven

96 I. KONCSIK Irreversibilität wiederum folgt aus der Unableitbarkeit synergeti­scher Resynthese konsistenter Gesamtsysteme. Parallele Quantentheorie - holistischer Geist Oder es wird mit W. Heisenberg die Konstitution der Schöpfung aus einer Form platonisch36 oder mit v. Weizsäcker als Kondensation von Information zu Energie und von Energie zu Materie gedacht37. Vor allem letzteres setzt die Vorrangigkeit der „Ganzheit" eines Ge­samtzustandes vor seiner Trennung in Einzelbestandteile voraus, also der quantenphysikalischen Kohärenz vor der Dekohärenz38. Auf Basis solch holistischen Denkens stellen sich Affinitäten zum „fernöstlichen" Denken ebenso ein wie einheitliche Erklärungen von Geist und Materie sowie der Interaktion zwischen Geist und Gehirn, etwa aktuell bei Görnitz: das ganzheitliche Funktionieren ei­nes quantenphysikalisch geschlossenen Systems geschieht instan- tan, parallel und multivalent. Klarerweise erfolgt damit eine plato­nische Abwertung der klassischen Welt als Ort der prävalenten Trennungen und mangelnden Interrelationen im Unterschied zur Quantenwelt der vollkommenen Vernetzung und maximaler Transferkapazität zwecks optimierter Transformationsleistungen des Systemzustandes in immer neue und innovative Zustände (was Resonanzen verknüpfte Mechanismus der Irreversibilität der klassischen Me­chanik und der Quantenmechanik gemeinsam ist.“ (ebd. 82). Die Betrachtung der Ebene der statistischen Ensembles von Einzelelementen führt unweiger­lich zu Resonanzen, die sich sowohl in der Schrödinger-Gleichung (Wellen­funktionsbetrachtung) als auch auf der Ebene des Produkts der Wellenfunk­tionen, „also auf der Ebene der Wahrscheinlichkeit... manifestieren.“ (ebd. 81). - Resonanzen sind wiederum die Folge von Selbstrelationen, die repeti- tiv abgelaufen werden, die quasi intern zur schöpferischen Genese neuer, irre­versibler und unableitbarer struktureller Systemzustände und dynamischer Ablaufmuster drängen, was wiederum ein essentielles Signum synergetischer Mechanismen darstellt. 36 So der Duktus bei: HEISENBERG, W., Physik und Philosophie, Frankfurt a.M. 1973 37 Näher ausgeführt bei seinem Schüler GÖRNITZ, T. und seiner Gattin GÖR­NITZ, B., Der kreative Kosmos. Geist und Materie aus Quanteninformation, München 2007, bes. 97-106 und 114-120. 38 Ähnlich erklärt Hawking die faktische Existenz der uns vertrauten klassischen Welt aus Dekohärenz, so in der Diskussion mit PENROSE, in: HAWKING, S.; PENROSE, R., Raum und Zeit, Reinbek bei Hamburg 1998, 165-185. Da­bei ist das Konzept der Dekohärenz belastet: Blanchard, P. u.a. (Hg.), Deco- herence. Theoretical, experimental and conceptual problems, Berlin 2000

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