Folia Theologica 18. (2007)

Ferenc Beran: Die Aktualität der Soziallehre der Kirche - Die Fundamentalwerte des gesellschaftlichen Lebens

50 F. BERAN Liebe ist kein Ersatz für Gerechtigkeit", es geht nicht an, dass die Defizite an Gerechtigkeit mit „dem Mantel der Liebe" zugedeckt werden".22 Die Gerechtigkeit mit Hilfe der Klugheit gibt „jedem das Seine" (suum cuique).23 Aber „die Liebe und nur die Liebe (auch jene gütige Liebe, die wir als »Erbarmen« bezeichnen) ist fähig, den Menschen sich selbst zurückzugeben".24 Die spätere Definition zeigt, dass der Mensch, in den Taten der Liebe mit seiner ganzen Person, das heißt mit seiner Vernunft, dem Willen und dem Gefühl) präsent ist, und die Liebe sich nicht auf die Güter, sondern auf die andere Person richtet. Das Kompendium betont, dass die Liebe nicht nur unter den Personen, sondern auch in der Gesellschaft und unter den einzel­nen Personen existiert. Auch die Gesellschaft - als die Organisation oder die Gemeinschaft der Menschen - kann sich mit Liebe auch dem Einzelnen zuwenden. Es ist die soziale Liebe. Mit anderen Worten: Diese Liebe ist ein solches Engagement, „das darauf ausge­richtet ist, die Gesellschaft so zu organisieren und zu strukturieren, dass der Nächste nicht im Elend leben muss, vor allem dann, wenn sich eine unüberschaubare Menge von Personen und sogar ganze Völker in dieser Situation befinden, die heute Proportionen einer wahren und eigentlichen weltweiten sozialen Frage annimmt"25 Zum Beispiel: Zur Zeit des Hochwassers bestimmt das Parlament eine Summe für die Hilfe der Geschädigten. Aber es ist nicht genug, deshalb ergänzen die Mitmenschen oder die verschiedenen Organi­sationen der Gesellschaft diese Hilfe und machen sie wirksam. Die einzelnen Menschen - als Mitglieder der Gesellschaft - können mit ihren Geldern, Gaben und Arbeiten diesen Leuten dienen. 22 B. SUTOR, Politiche Ethik, Ferdinand Schöningh, Padenborn, 1992. 110. 23 Vgl. HEILIGE THOMAS VON AQUIN. Summa Theologiae 11-11. q. 48. a. 1.3.4.11. PAPST JOHANNES XXIII. Pacem in terris, Nr. 33, Gaudium et spes, Nr. 29. 24 PAPST JOHANNES PAUL II. Dives in misericordia. Nr. 14, Kompendium der Soziallehre der Kirche, Nr.206 25 Kompendium der Soziallehre der Kirche, Nr. 208.

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