Folia Theologica 18. (2007)
Ferenc Beran: Die Aktualität der Soziallehre der Kirche - Die Fundamentalwerte des gesellschaftlichen Lebens
DIE AKTUALITÄT DER SOZIALLEHRE DER KIRCHE 47 bunden ist, die sie in den Dienst der vollen menschlichen Freiheit stellt und sie als eine besondere Dimension dieser Freiheit mit ihrem ethischen und religiösen Mittelpunkt ansieht, dann ist die Antwort ebenso entschieden negativ.11 3. Der Wert der Gerechtigkeit, welcher auf die Wahrheit baut Der ungrische Begriff „igazságosság" (Gerechtigkeit) zeigt, dass die Basis oder die Wurzel der Gerechtigkeit die Wahrheit ist. Die Tugend der Gerechtigkeit gibt - nach der Wahrheit - jedem das seine.11 12 Man kann sagen, dass die Gerechtigkeit eine objektive Wahrheit voraussetzt. Diese objektive Wahrheit bedeutet - nach der christlichen Soziallehre - eine Wertordnung und Gesetze, welche die ethischen Werte schützen. Man muss bemerken, dass nach der lateinischen und der deutschen Sprache der Grund für die Gerechtigkeit das Recht ist. Dieser Begriff aber setzt voraus, dass das Recht die Wahrheit für alle sichert. Man kann sehen, dass die ungarische Sprache unmittelbar auf die Wurzel der Gerechtigkeit hinweist. Die Frage: Welche Gefahren bedeutet die Abirrung von der Wahrheit? Über die Gefahren schreibt das Kompendium: „Die Gerechtigkeit ist vor allem im aktuellen Kontext wichtig, da der Wert der Person, ihrer Würde und ihrer Rechte jenseits aller Absichtserklärungen ernsthaft von der weit verbreiteten Tendenz bedroht ist, ausschließlich auf Kriterien der Nützlichkeit und des Habens zurückzugreifen."13 Unserer Erfahrung nach sind die Nützlichkeit und das Haben nur partielle Wahrheiten, und bei der ethischen Entscheidung müssen auch andere Werte berücksichtigt werden. Deshalb fährt das Dokument in folgender Weise fort: „Auf der Grundlage solcher Kriterien wird auch die Gerechtigkeit in einer einschränkenden Weise betrachtet, wohingegen sie in der christlichen Anthropologie eine vollständigere authentische Bedeutung erhält. Die 11 Centesiumus annus, Nr.42. 12 Vgl. HEILIGE THOMAS VON AQUIN. Summa Theologiae 11-11. q. 58. a. 1. 13 Kompendium der Soziallehre der Kirche, Nr. 202.