Folia Theologica 18. (2007)

Ferenc Beran: Die Aktualität der Soziallehre der Kirche - Die Fundamentalwerte des gesellschaftlichen Lebens

DIE AKTUALITÄT DER SOZIALLEHRE DER KIRCHE 43 Maß der Steuer sein? Sollte die Sozialsteuer erhöht werden oder nicht? In welcher Weise kann die Unterstützung der Kirche reali­siert werden? Welche Gesundheitsversicherung ist besser, die staat­liche oder die profitorientierte private? Wenn Papst Johannes Paulus II. in der Enzyclika „Veritatis splen­dor" über der Wahrheit spricht, beruft er sich nicht nur auf die gött­lichen Gesetze, sondern auch auf das Naturgesetz,4 welches nach dem Heiligen Thomas „nichts anderes ist als das von Gott uns einge­gebene Licht des Verstandes],..[Dieses Licht und dieses Gesetz hat uns Gott bei der Erschaffung geschenkt".5 Deswegen können wir sagen, dass die Sozialethik zwei ethische Fundamente hat: Die gött­lichen Gesetze und der von Gott geschaffene Mensch, der von sei­ner Berufung her sich verwirklichen kann, und der mit seinem Ver­stand den Weg seiner Verwirklichung erkennen kann. Die Aufgabe des Seelsorgers In unserer Welt sagen viele, dass die ethischen Werte in erster Li­nie von dem menschlichen Interesse (Mehrheit, politische Klasse) oder vom gesellschaftlichen Konsens abhängen. Wie wir schon frü­her betonten: nach der Lehre der Kirche sind die Gründe der ethi­schen Werte die offenbarten Gesetze und das Naturgesetz (die praktische Vernunft). Im Falle eines Konfliktes der Werte kann man die Endscheidung auf dem Grund treffen, welche Werte wir für hö­her halten. Einige Grundprinzipen für die Rangsordnung der Werte:- Das menschliche Leben ist ein Geschenk Gottes, ein Grundwert, deswegen ist es unverletzbar. Es ist verboten, es den menschli­chen Interessen unterzuordnen.- Das Gemeinwohl als das Wohl aller Menschen steht über dem ei­genen Interesse. Man muss aber betonen, dass das Gemeinwohl nicht mit den wirtschaftlichen Vorteilen identifiziert werden kann. Das Gemeinwohl enthält die sozialen Zwecke, Werte und die Mittel, mit denen diese Zwecke erreicht werden können. 4 PAPST JOHANNES PAULUS II. Veritatis splendor 4, 40 5 HEILIGE THOMAS VON AQUIN, In duo praecepta caritatis et in decem Legis praecepta exposito, c. I.

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