Folia Theologica 18. (2007)

István Ancsin: Die Hoffnung Aaf das Heil bei Hans Urs von Balthasar

DIE HOFFNUNG AUF DAS HEIL BEI H. U. V. BALTHASAR 35 Balthasar, obwohl er eine Stellvertretung entschieden vertritt, betrachtet deren Möglichkeit aus demjenigen Aspekt als fragwür­dig, in dem es um die „eigene freie Selbstverweigerung" des Men­schen geht, „die Gott, falls er die von ihm geschenkte Freiheit ach­tet, nicht einfach dadurch überwältigen kann, daß seine absolute Freiheit mächtiger ist als die geschaffene endliche"75. Diese Frage­stellung wird uns im folgenden noch beschäftigen. Hier soll betont werden, daß bei der Behandlung der Apokatastasis-Frage für Balt­hasar dasjenige Dogma von der wichtigsten Bedeutung ist, nach dem „Christus für alle Menschen und alle ihre Sünden gestorben ist"76. Damit hängt eng zusammen, daß Christi „Verdienste [...] nicht nur quantitativ, sondern qualitativ die Verbrechen der Menschheit"77 überragen. Abschließend soll hier festgestellt wer­den, daß Balthasars Stellvertretungstheologie das ist, was ihn am stärksten in die Richtung der Apokatastasis-Lehre steuert.78 b) Soll Gott gerecht und/oder barmherzig sein? Wenn man zur Frage der Allerlösung die Schrift zur Hilfe rufen will, muß man feststellen, daß das Neue Testament einerseits Texte liefert, die „den doppelten Ausgang des Jüngsten Gerichts und die Ewigkeit der Höllenstrafen" besagen, andererseits aber auch Texte, die „wirklich für die Allversöhnung sprechen"79. Die Tradition der Väter ist aus diesem Grund auch gespalten. Balthasar, dessen An­sichten bezüglich einer Apokatastasis-Lehre eine heftige Debatte ausgelöst haben80, lehnt einen Pansalutismus, der die Hoffnung auf 75 TD IV, 258-259. 76 TD IV, 172. DS 2005: „Semipelagianum est dicere, Christum pro omnibus omnino hominibus mortuum esse aut sanguinem fudisse.“ 77 TD IV, 173. 78 Vgl. KRENSKI, Th. R.: Passio Caritatis. Trinitarische Passiologie im Werk Hans Urs von Balthasars, Einsiedeln, 1990, 339. 79 TD IV, 244. Vgl. BALTHASAR, H. U. von: Apokatastasis, In: Trierer Theo­logische Zeitschrift 1988, 174. Dieser Aufsatz, der die Apokatastasis-Frage aus patristischer Sicht beleuchtet, ist der abgedruckte Text von Balthasars Gastvorlesung an der theologischen Fakultät Trier am 18. April 1988, kaum mehr als zwei Monate vor seinem Tod am 26. 6. 1988. 80 Die Debatte über die Apokatastasis-Frage ist auch 20 Jahren nach Balthasars Tod (wenn auch in verschiedener Akzentuierungen) lebendig: u.a. in der Form der Diskussion um die Übersetzung des Kelchwortes der Eucharistiefei­er „pro multis“. Vgl. dazu: STRIET, M.: Nur für viele oder doch für alle?

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