Folia Theologica 18. (2007)
István Ancsin: Die Hoffnung Aaf das Heil bei Hans Urs von Balthasar
DIE HOFFNUNG AUF DAS HEIL BEI H. U. V. BALTHASAR 31 seitigen alttestamentlichen Zukunftsprimat entlastet und die Hoffnung "an eine nicht irdische, aber überragend und umfassend ewige Gegenwart"58 gerichtet. Mit dieser Betrachtungsweise der Hoffnung sympathisiert Balthasar unter anderem auch deshalb, weil sie (im Gegensatz zu Teilhard und Moltmann) zu seiner programmatischen (johanneischen) Aussage zurückführt, daß "alle futurische Eschatologie ihren (durchaus berechtigten) Platz innerhalb einer präsentischen hat"59. Nach Péguy ist Hoffnung die „eigentlich vorantreibende Kraft, „[...] ein dem Dasein der Menschen eingepflanztes unbegreifliches Wunder"60. Der innerste Gehalt der Hoffnung tritt dort ins Licht, wo Péguy die Hoffnung des Hirten Jesus schildert, der dem verirrten Schaf suchend nachgeht. Denn „Gott überkam die Angst, verwerfen zu müssen"61. Im Herzen Jesu geht es auf keinen Fall um die größere Zahl der Gerechten, sondern „um das Eine und Einzige, das Je-Einmalige, das sich verloren hat"62. Péguy schildert mit dramatischen Sätzen die Situation, in der sich Gott befindet: „Der Schöpfer hat sich in die Lage versetzt, seines Geschöpfes zu bedürfen... / Welch unheilbare Stärke der Hoffnung / Auf uns. / Welche Entblößung seiner selbst, seiner Macht. / Welche Unklugheit. Welche Unvoraussicht,/ Welche Unvorsehung/ Gottes. / ... Wir können Versagende sein."63 Nicht das Vorauswissen Gottes, nicht die „Übermacht" seiner Liebe (wie sie in der traditionellen Gotteslehre nicht zu bezweifeln wäre), sondern das Sich-Anheimgeben seiner Hoffnung ist es nach Balthasar, das Gott „über alle Dramatik zwischen ihm und der menschlichen Schwäche und Freiheit Recht behalten läßt: ,Wir können Versagende sein.'"64 Hier ist bei Péguy das „Prinzip Hoffnung" christlich geworden: es geht um nicht mehr 58 TD IV, 161. 59 TD IV, 161. 60 TD IV, 161. 61 TD IV, 164. Balthasar zitiert hier aus dem Werk Ch. PÉGUY: Das Tor zum Geheimnis der Hoffnung, 53. 62 TD IV, 164; Vgl. dazu PÉGUY, Ch.: Das Tor zum Geheimnis der Hoffnung, 72. 63 TD IV, 165. Balthasar zitiert hier aus dem Werk Ch. PÉGUY: Das Tor zum Geheimnis der Hoffnung, 104-107. 64 TD IV, 166.