Folia Theologica 18. (2007)
István Ancsin: Die Hoffnung Aaf das Heil bei Hans Urs von Balthasar
DIE HOFFNUNG AUF DAS HEIL BEI H. U. V. BALTHASAR 27 Moltmann in seinem Hoffnungsbuch40 kein einziges Mal das Johannesevangelium erwähnt), obwohl diese „auch die futurische Dimension in sich einzubergen versteht"41. Neben der oben dargestellten Sichtweise erscheint Moltmanns Hoffnungstheologie als der Versuch, die „atheistisch-messianische Philosophie Ernst Blochs zu unterwandern und ihr der Bibel Entnommenes in christliche Theologie heimzuholen"42. Bei Moltmann steht die Zeit der Hoffnung seit Christi Auferstehung unter dem Zeichen des Gekreuzigten. Hoffnungstheologie ist im wesentlichen Kreuzestheologie. Der von der Auferstehung Christi ausgelöste Prozeß ist nichts anderes als die Jesu Sendung weiterführende kirchliche Sendung, die zur Geschichte und „Zukunft" des Auferstandenen selbst gehört. Im geschichtlichen Prozeß werden Freiheit und Gerechtigkeit „durch das stellvertretende Leiden Jesu Christi und das ihm folgende Handeln in Solidarität mit den Leidenden" vermittelt, so daß „die Antizipation der christlichen Hoffnung allein in der Stellvertretung für die lebendig und wirksam ist, die keine Zukunft haben"43. Auf diese Weise greifen bei Moltmann die futurische Eschatologie und die Kreuzestheologie tief ineinander. Moltmann versteht das Kreuz Christi nicht nur als Versöhnungsgeschehen zwischen Gott und Welt, sondern als einzigen Ort der trinitarischen Offenbarung Gottes in der Welt. Das heißt aber auch, daß erst von hier aus die Diastase der trinitarischen Personen sichtbar wird.44 Da Moltmann vom Sieg des Gekreuzigten und Auferstandenen ausgeht, kann er unangefochten für den Menschen von „Hoffnungsgewißheit", „Zukunftsgewißheit" und „Verheißungsgewißheit" reden. Balthasar hält aber einen solchen „Triumphalismus" Moltmanns (und auch den Teilhards) für übertrieben, „weil er gerade jenen Gegenstand der Hoffnung verfehlt, auf den die Theologie des Neuen Testaments primär verweist: die Hoffnung, aufgrund des Erbarmens Gottes sein Gericht bestehen zu können"45. 40 MOLTMANN, J.: Theologie der Hoffnung, München, 31955. 41 TD IV, 148-149. Zu Balthasars eschatologischen Einsichten vgl. das Kapitel „Zum Begriff christlicher Eschatologie“ in TD IV, 14-46. 42 TD IV, 149. 43 TD IV, 151. (Hervorhebung im Original.) 44 Vgl. TD IV, 153. 45 TD IV, 154.