Folia Theologica 18. (2007)

Mihály Kránitz: Heilige Elisabeth (1207-1231) als Vertreter des Treffens der verschiedenen christlichen Kulturen in Thüringen im 13. Jahrhundert

HEILIGE ELISABETH ALS VERTRETER DES TREFFENS 121 1229 zog Elisabeth an den Wohnort ihres Beichtvaters, Konrads von Marburg. Dieser strenge, asketische Mann wollte „die Heilige zu einer Heiligen machen", und verfolgte sie mit Bussübungen.13 Als Elisabeth nach den Bemühungen von Konrad ihr Witwengut er­hielt, liess sie 1229 in Marburg ein Hospital errichten.14 Sie benann­te es nach Franziskus, und arbeitete dort selbst als Pflegerin. Sie selbst lebte in ärmlichsten Verhältnissen. Die Tochter von Elisabeth, Gertrud kam schon im Alter von zwei Jahren ins hessische Prämonstraterserinnenkloster Altenberg, wo sie bereits im Alter von 21 Jahren an die Spitze des Konvents beru­fen wurde. Gertrud wurde 1348 selig gesprochen. Im November 1231 wurde Elisabeth krank; es heisst, dass ihre letz­ten Tage von kindlicher Heiterkeit überstrahlt waren. Sie verschenkte ihre letzten Sachen und soll sogar noch ihre Gefährtinnen getröstet haben. Elisabeth starb im Alter von 24 Jahren, aufgezehrt in der Für­sorge für andere, und wurde in ihrem Franziskushospital bestattet. Unmittelbar nach der Bestattung Elisabeths am 19. November 1231 haben sich Wunderheilungen an ihrem Grab ereignet. Konrad von Marburg schickt daraufhin im Frühling 1232 einen Brief und eine Kurzbiographie Elisabeths nach Rom und regt ihre Heiligspre­chung an. Bereits vier Jahre nach Elisabeths Tod erfolgte ihre Heiligspre­chung vom Papst Gregor IX.15 Der deutsche Orden liess 1235-1283 die ihr geweihte Kirche in Marburg errichten. Diese Kirche war der erste gotische Bau in Deutschland. 1236 erfolgte die Erhebung ihrer Gebei­ne im Beisein Kaiser Friedrichs II. von Hohenstaufen. Wallfahrten zu ihrem Grab gehörten zu den berühmtesten des Mittelalters. 13 Das Unverständnis zwischen Elisabeth und Konrad ist vielleicht auch in un­garischer Stammung von Elisabeth zu suchen. Wie auch Walter Nigg be­merkt: Als eine ungarische Frau war sie eine fremde Erscheinung in Deutsch­land. Vgl. NIGG, W., Die Heiligen kommen wieder, Herder, Freiburg 1982. 14 700 Jahre Elisabethkirche in Marburg 1283-1983, Das Hospital im späten Mittelalter, Katalog 6, Ausstellung des Hessischen Staatsarchivs Marburg, bearbeitet von Werner Moritz, Marburg 1983 (Die hl. Elisabeth und ihr Mar- burger Hospital, pp. 13-31). 15 Kanonisationsbulle „Gloriosus in maiestate“ vom 1.6.1235, in Heinisch Klaus J., Kaiser Friedrich IL in Briefen und Berichten seiner Zeit, Darmstadt 1978, 296-298.

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