Folia Theologica 17. (2006)

István Pákozdi: Zur Theologie des Ablasses

FOLIA THEOLOGICA 17 (2006) 161 István PÁKOZDI ZUR THEOLOGIE DES ABLASSES Beitrag zur theologischen Konferenz zum 100-jährigen Jubiläum des dritten Tränenflusses des Gnadenbildes von Máriapócs „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Sooft wir das Kreuzzeichen machen und dabei diese heili­gen Worte sprechen, erlangen wir einen Ablass von 50 Tagen, wird das Kreuzzeichen mit Weihwasser gemacht, von 100 Tagen." - Die­sen alten, gedruckten Text finden wir auf einer kleinen, unter Glas aufbewahrten Tafel über dem Weihwasserbecken in der Basilika von Máriapócs. Er stammt aus einer Zeit, als der unvollkommene Ablass noch nach seiner zeitlichen Dauer bemessen wurde. Dies än­derte sich 1967, als Papst Paul VI. die Praxis der Ablassgewinnung neu regelte. Seit dem bedeutet der unvollkommene Ablass nicht mehr, dass die Kirche so viele Strafen erlässt, wie die Bekenner und Büßer der Urkirche mit ihrem während dieser Zeit ertragenen Lei­den und ihrer Selbstverleugnung verdient haben. Vielmehr ist das Maß für den Ablass das Verdienst des guten Werkes,1 das die Gna­de verdoppelt. Im Ungarischen hat das Wort Ablass zweierlei Bedeutung: Zum eine wird es im Sinne von indulgentia benutzt, d.h. der Erlass der zeitlichen Strafe für eine Sünde. Zum anderen versteht man darun­ter die Wallfahrt zu einem Kirchweihfest. Hierhin gehören auch die Begriffe Kirchweihball, Kirchweihgeschenk und Kirchweihessen. Beide Bedeutungen gehören zusammen, die eine wurzelt in der an­deren, und doch unterscheiden sie sich voneinander. Die Indul- genz ist ein Thema der Theologie, das Kirchweihfest und die damit verbundenen Traditionen und Bräuche gehören in den Bereich der Volkskunde und der Religionssoziologie. 1 Vgl. Papst PAUL VI., Indulgentiarum doctrina, apostolische Konstitution

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